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klassenfahrt zur weilheimer schule

wolfgang "hausmusik & fred is dead" petters in seiner wohnküche
da wird (fast...) vor unserer haustür musikgeschichte geschrieben, und wir müssens uns von den spex-spacken verklickern lassen? ohne uns! sagt sich die wackere pitti platsch-crew und fährt flugs dahin. erste station: landsberg am lech, sitz von hausmusik. wolfgang petters holt uns an der post ab. er ist mitte 30, schon etwas grau (was uns jugendliche ihm schon etwas respekt zollen läßt), locker-flockig angezogen und ernst, aber sehr freundlich. wie alle musiker (oder bürger?) in der weilheim-szene hat auch er drei bands. (es gibt tatsächlich schon weilheim-witze, haben wir erfahren: treffen sich drei weilheimer. was machen sie? - gründen eine band.) wir bieten ihm ein stück kinderschokolade an. erfreut akzeptiert er diesen köder. er führt uns durchs büro die treppen rauf in seine küche. die wohnung: flohmarkt galore! da schlägt das herz das 60er-trash-freundes (meins) höher. er hat keine kaffeemaschine, kocht den kaffe mit porzellanfilterhalter. das heißt schütten, warten, schütten, warten usw. relaxte atmosphäre also. dann erfahren wir, warum er so müde und unrasiert ist: gestern war ein village of savoonga-auftritt auf einem festival in belgien. dort haben sie die musikalische variante von 'malen nach zahlen' ausprobiert: jedes instrument hat eine nummer (aber keine noten!), der dirigent hält zahlen hoch und nimmt sie wieder runter, je nachdem, welche instrumente gerade spielen sollen.
wir unterhalten uns nett, ganz ohne das beunruhigende ohr des diktiergeräts. einmal geht die tür auf, thomas morr, der (einzige) hausmusik-mitarbeiter kommt rein und hält freudestrahlend eine platte in die luft. "das ist die ... von ..., die gibt's eigentlich nicht mehr, hat mir gerade noch gefehlt in meiner ...-sammlung! wollte ich nur kurz loswerden.". tür zu. hier sind wirklich fans am werk.
wolfgang erinnert sich, daß im letzten jahr nur zwei mailorder-besteller nicht gezahlt haben, hält einen kurzen vortrag über elektroakustik, zeigt uns das lager und empfiehlt uns ein paar köstlichkeiten, die wir in seinem musikzimmer anhören können. darin: ein plattenregal, ca. zwei mal drei meter, voll mit schönem vinyl. allein die johnny cash-fraktion ist gute 20 cm breit. (für diejenigen, die 'high fidelity' gelesen haben: alphabetisch sortiert, schon immer.) teuer aussehende lautsprecher, von der sitzgruppe aus im 60°-winkel: so soll stereophonie sein.
mit einem karton (gekaufter!) platten gehen wir zum auto zurück.
zweitens: das label payola in einem winzigen dorf bei weilheim. einen älteren mann fragen wir nach tobias hach. "der tobi mit'm tonstudio? da hinten!" aha, neben
payola ist hier auch gleich noch das uphon-studio, in das zur zeit jede deutsche band, die etwas auf sich hält und nicht aus hamburg kommt, fährt und sich von mario thaler und o.l.a.f. opal ihre neue platte produzieren läßt. auch hier gibt's erstmal kaffee. von mario thaler, einem lustigen kleinen hektiker, erfahren wir: camouflage gibt's wieder! sie werden demnächst hier aufnehmen. ganz nebenbei treffen wir die jungs von readymade, die gerade das selbe tun. gerade kommt dr. h. c. midi gretschmann zur tür rein. auch er hat hier sein studio, in dem er remixt, neue 'console'-tracks macht, remixt, geräusche für notwist erfindet und remixt. sehr charmant an der wand: ein poster von angus young. console ist superlieb, ganz ohne aufgesetzte coolness. sein lächeln zieht uns sofort in seinen bann. im ersten pitti platsch hat er bereits den nasenbonus bekommen, jetzt kriegt er noch den knuddel-bonus. er hat bestimmt keine freundin, die nettesten leute haben immer keine. der arme. ich würde ihn am liebsten mit heim nehmen. (mawe)
label-portrait: hausmusik
auf unserem pitti platsch-erlebnis-report nach südbayern machten wir als erstes station in landsberg am lech, bekannt nicht zuletzt durch die tatsache, dass adolf dort nach dem gescheiterten putsch an der feldherrenhalle im gefängnis sass. dort ist aber, um zu erfreulicherem zu kommen, auch der sitz von hausmusik das hausmusik-label, heimat von solchen bands wie fred is dead und village of savoonga (vgl. platten-tips), ist ja nicht nur ein label, sondern auch noch ein vertrieb mit mailorder-anschluss.
das label hausmusik gibt es seit 1991, gegründet wurde es von wolfgang petters, der auch bei fred is dead, a million mercies, village of savoonga und diversen anderen bands, die dann auch auf hausmusik platten veröffentlichen, dabei ist. mittlerweile arbeitet noch ein zweiter herr, thomas morr, bei hausmusik, ein "waschechter hannoveraner" (siehe 'mega news' im web), den ich gar nicht danach gefragt habe, wie er sich
in der bayerischen provinz denn so fühlt. thomas arbeitet noch nicht so lange dort, wolfgang erzählte aber, dass beide ungefähr 10 stunden 7 tage die woche am arbeiten wären.
wenn man sich den mailorder-katalog ankuckt, glaubt man das auch sofort, weil die anzahl der labels, die sie im vertrieb haben, bestimmt so um die 50 liegt, manche bekannter (K records mit bands wie dub narcotic sound system, halo benders, make-up), manche absolut unbekannt, zum teil auch labels, die von bands gegründet wurden, um dann dort ihr material zu veröffentlichen (z.b. oni.tor von/für ma cherie for painting). das macht einen haufen arbeit.
wir haben uns ziemlich lang mit wolfgang unterhalten, und im verlauf des gesprächs stellte er sich als überaus freundlicher mensch und grosser musikfan (seine plattensammlung dürfte wohl die grösste sein, die ich bislang zu gesicht gekommen habe) heraus.
wie gesagt, 1991 wurde hausmusik gegründet, die labelphilosphie ist eigentlich recht einfach: eine plattform für bands bereitstellen, damit die ihr material irgendwie zugänglich machen können. da das label aber doch ziemlich klein ist, sagen sie bands auch ganz direkt, wenn sie höher hinaus wollen, ist hausmusik nicht unbedingt das richtige, da eben mangels geld kaum anzeigen geschaltet werden können, und ohne anzeigen kriegt man keine artikel und so weiter. von daher sind die bands des labels (auch die auf kollaps und payola) eher sporadisch in irgendwelchen hochglanz-musikmagazinen vertreten, eine ausnahme (unter den magazinen, nicht den bands) bildet hier das spex, welches immer auch aktuelle plattenkritiken und dergl. beinhaltet.
manchmal tauchte in wolfgangs augen auch ein ganz stolzer glanz auf, als er zum beispiel erzählte, dass er mal einen anruf aus einem plattenladen bekam, der sonic youth-sänger thurston moore habe grade die und die hausmusik-platte gekauft. eben ein echter fan.
wir haben auch viel darüber gesprochen, was schwierigkeiten beim betrieb eines labels macht, z.b. wie sich hohe auflagen und die damit verbundenen kosten sehr schnell aufsummieren und den ruin bedeuten können, da man ohne geld vom presswerk keine platten mehr kriegt, die man also auch nicht verkaufen kann, und die vertriebe zahlen oft erst nach einem viertel bis halben jahr, was in der zwischenzeit schon den konkurs bedeuten kann.
trotz all dieser potentiellen schwierigkeiten schienen sowohl wolfgang als auch thomas mit begeisterung bei der sache zu sein, eben fans, die das hobby zum beruf machen, wobei das bei wolfgang sogar im doppelten sinn zutrifft, schliesslich veröffentlicht er ja auch die platten seiner bands/projekte auf dem eigenen label.
was diese projekte anbelangt, so hat man (auch wenn man sich die beteiligten leute anschaut, vgl. plattenkritiken) den eindruck, als handle es sich da um ein ca. 20 leute umfassendes musikerkollektiv, das von fall zu fall in einer bestimmten besetzung eine platte aufnimmt. nach wolfgangs aussage sind diese personellen überschneidungen aber nicht so gedacht, dass man sich mit den namen der beteiligten schmücken wolle (z.b. dass "der" markus acher von "den" notwist bei einer platte mitgemacht hat), um vielleicht besseren absatz zu erzielen, sondern man wendet sich einfach an diejenigen leute, die das einem vorschwebende stück am besten umsetzen können. wenn man sich etwa denkt, an dieser stelle würde ein bläsersatz gut passen, geht man eben zum micha acher und fragt ihn, ob er denn nicht lust hätte, ein entsprechendes arrangement auszuarbeiten, einfach,
weil der es am besten kann, und warum soll man da nicht die musikalischen und kreativen stärken seiner bekannten einzubinden versuchen? diese haltung finde ich sehr freundschaftlich und eben auch sehr unprätentiös, bei anderen bands hatte man schon gelegentlich den eindruck, die wollen möglichst viele gast-"stars" auf der platte haben, um damit bei den fans dieser leute/bands einen fuss in der tür zu haben.
was die platten selbst anbelangt, so fällt auf, dass sehr viele davon noch wirkliche platte, also vinyl, sind, bis vor kurzem gab es gar keine cds auf hausmusik, inzwischen sind es doch schon ein paar. allerdings sollte man, wenn möglich, die platten vorziehen, erstens sind sie billiger und zweitens sind die cover so edel und schön, meist siebdruck, quasi selbstgemacht, mit irgendwelchen handgedruckten beizetteln und sowas, schönheit, die mit dem cover beginnt und bei der musik aufhört. die platten haben meist auch kleine auflagen (500 oder 1000), und wenn sie weg sind, dann sind sie es eben, weil nachpressungen im normalfall zu teür sind. man sollte anmerkungen wie "kaum mehr welche da" im katalog also durchaus ernst nehmen, schliesslich ist man nicht bei warner oder sony. (kicko)
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