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was macht klaus cornfield eigentlich heute? von mawe |
nürnbergs pop-aushängeschild und ex-THROW THAT BEAT IN THE GARBAGECAN-sänger klaus cornfield, den jeder immer noch mit goldigkeiten aller art verbindet, schockiert uns jetzt mit nicht jugendfreien comics. als ich mich mit ihm in einem café traf, freute er sich gerade über einen stapel comics, den er auf der erlanger comic-messe erworben hatte, wo er auch selbst mitmischte. ich unterhielt mich mit ihm über die bates, als deren 'vorband' er zur zeit durch deutschland und europa tourt, über berühmte verwandte, über musik und natürlich über comics.
mawe: erzähl mir doch mal was über Klaus Cornfield solo.
"im prinzip ist es throw that beat schon sehr ähnlich. da habe ich ja auch 80% der lieder gemacht, so daß sie jetzt im großen und ganzen nicht viel anders sind. ich kann da mich da einfach mehr treiben lassen, weil es nicht noch 5 leute gibt, die sagen 'nee, das lied mag ich jetzt nicht'. dann kommt schon mal verrücktes zeug raus, aber auch sehr seltsam aufgenommene sachen, die ganz billig im computer gemacht wurden, so ein kleines instrumentalstück ist auf meiner neuen platte drauf. also - ich finds klasse. es muß genauso rauskommen mit dem rauschen und allem. wenn man allein ist, kann man solche entscheidungen halt wunderbar treffen. es wirkt einfach ein bißchen kauziger. ich mache auch ziemlich viel nur mit gitarre.
es ist mir eigentlich auch fast egal, wo die sachen dann rauskommen, ob das jetzt eine große plattenfirma ist oder nur ein kassettenlabel zur not, hauptsache, es kommt weg von mir und kann von jemand gehört werden, damit mein kopf frei ist für neue sachen."
mawe: was hältst du von den bates?
"also, als menschen mag ich sie saugerne, ihre musik finde ich auch immer besser, je öfter ich sie höre."
mawe: mich stört etwas ihr auf coverversionen aufgebautes image...
"die drehen schon irgendwie den sinn um von diesen liedern. den jungs traut man einfach alles schlimme auf der welt zu und wenn die dann singen 'turn the radio on', dann erwartet man was ganz anderes, wenn man das radio anschaltet, als wenn die shakespeare sisters das ganz sanft säuseln, da denkt man, da geht jetzt die hölle ab... (setzt dämonisches grinsen auf) oaaah! die tiefen des universums ... !"
mawe: und du als vorband?
"am anfang hatte ich schon ein bißchen schiß. da spiele ich ja auch allein und bin jeden tag vor 500 - 800 leuten gestanden, und ihr erster instinkt war immer 'was solln des? wir wolln die bates!' und dann da durchzukommen, daß sie merken: ach, der macht jetzt selber musik, aha, der spielt uns jetzt eins, und nicht nur eins, sondern noch eins und noch eins und noch eins - (holt luft) - und noch eins und noch eins und noch eins... in den ersten drei auftritten hab ich mich schon ein bißchen unterbuttern lassen. in der ersten reihen stehen dann immer ein paar ungeduldige, die werfen auch mal 10-pfennig-stücke oder einen becher bier auf die bühne.
die haben gesagt 'fahr mit als vorband', ich hab gesagt 'ja', und dann plötzlich fiel mit ein, du mußt ja jetzt da auch spielen!
dann hab ich das mal anders aufgezogen. ich ging davon aus, daß ich die leute unterhalten muß - das war fantastisch! ich hab genau die gleichen lieder gespielt, nur ab und zu was gesagt und erzählt. plötzlich konnten sich die leute ein bild machen, aus welcher ecke das da oben runterkommt, haben geklatscht...
aber ich finds weniger mutig , als nur einem menschen was vorzusingen. ohne mikro für einen menschen, das ist..."
mawe: wie stehst du zum hamburg-hype?
"in hamburg gibt's einfach viele geniale musiker. tocotronic und die sterne finde ich ganz toll, es gibt da noch eine band namens yellowide...
aber mich hat immer mehr interessiert, was in irgendwelchen vorort-clubs passiert. ich finde, bei manchen neuen bands, die nicht unter dem druck stehen, musik herzustellen, die sich dann verkaufen soll, kommen einfach viel interessantere sachen raus. haben wir z.b. mal eine vorband aus fürth gehabt und die hatten zwei lieder, die ich total geil fand, dann hat mich eher sowas beeinflußt als die hauptband auf einem festival. meinen ersten kick, was selber musikmachen angeht, hab ich gekriegt, als ich jonathan richman gehört hab, diese sommerliche rock'n'roll-musik, ganz sparsam... da bin ich jetzt eigentlich gelandet, jetzt wo meine band weg ist."
mawe: jetzt zu den comics. diese kranken comics von dir -
" 'klaus cornfields kranke comics' "
mawe: - hab ich vor kurzen mal in die hände gekriegt, also, ich hatte immer ein anderes bild von dir...
"ich hab als jugendlicher schon angefangen, comics zu lesen, auch amerikanische underground-comics, und dann gabs da so leute, die sagten, da gibt's ganz schlimme comics, die sind schon gar nicht mehr lustig, da wird's einem richtig schlecht, wenn man die liest. ich habe solche comics dann immer gesucht, aber nie gefunden, und dann dachte ich irgendwann: ich möchte das underground-comic, das schmutzige kleine heftchen mit schwarzweiß-seiten und buntem umschlag jetzt endlich vor mir sehen, und dann hab ich eben angefangen, das selbst zu machen... (grinst) ich arbeite darauf hin."
mawe: wo liegt da zur zeit der schwerpunkt - bei der musik oder bei den comics?
"im moment verbringe ich definitiv mehr zeit damit, comics zu machen. das musikmachen läßt mich natürlich nicht los. aber nach 10 jahren musik mit throw that beat hab ich einfach ein jahr lang nur comics gezeichnet. ich kann jetzt wirklich von mir sagen, ich bin comiczeichner. wenn jemand sagen würde, hör zu, nächste woche brauch ich 10 seiten, ich würds hinkriegen, und es wäre auch ok. irgendwann kriegt man den draht dazu, einfach jeden dreck in bildchen umzusetzen. am anfang mußte da schon eine super idee her, jetzt mach ich eher so eine art fließbandarbeit. soll ja auch trash sein.
ich denke schon, daß comics auch als kunstform zu sehen sind, die man weiterentwickeln und nicht nur als sprungbrett benutzen sollte, um dann trickfilme zu machen oder in die werbung zu gehen - viele machen es wahrscheinlich nur, weil sie endlich mal was essen wollen (verzweifelt)... das ist immer frustrierend an der supermarktkasse für viele comiczeichner: 'ja, dann bringen sie das eben noch mal zurück.' (wimmer)
ich glaube, ich bin schon eine ausnahme, wenn ich das mit meiner 2000er auflage durchziehe. da braucht man auch ein bißchen liebe dazu."
mawe: jetzt der obligatorische blick in die zukunft...
"ich werde dieses jahr wahrscheinlich noch anfangen, eine neue platte aufzunehmen, und 'kranke comics #4' wird am 1. oktober erscheinen. sonst bin ich noch bei den meisten bates-festivals dabei, aber nur wenn die sonne scheint und ein kornfeld in der nähe ist."
mawe: dein lieblingssong von madonna?
"true blue, immer noch."
mawe: deine lieblingsfernsehserie?
"simpsons, auf jeden fall. gleich danach die bundys. wenns geht, schau ich die zwei jeden tag."
mawe: und dein lieblingscomic?
"natürlich 'klaus cornfields kranke comics' (lacht)... 'always ultra' von fil. oder 'bill aus perlin' "
mawe: ?
"das ist der da. (zeigt mir einen der comics, die vor ihm auf dem tisch liegen) ist echt schweinegut!
mawe: parental advisory...
" 'somebody put something in my drink' - für den leser: es hängt ein riesenrohr in das glas hinein!"
hier noch eine im lauf des gesprächs aufgetauchte story, die ich auch nach langem überlegen nicht vernünftig in den text einbinden konnte, die ich aber wegen ihrer originalität nicht auslassen möchte:
"ich hatte einen berühmten vorfahren, den kalle gafkuss, der war boogie-woogie-weltmeister, hat auch in spielfilmen mitgemacht..."
mawe: (lacht) wer war das, dein großvater?
"das ist ein bruder von meinem großvater seinem anderen sohn, verstehst du? der bruder von meinem vater... wart mal... also der bruder von meinem großvater hatte auch ein kind, und das war der. also selbe höhe wie mein vater, nur von einem anderen bruder vom großvater. wie heißt denn das...
jetzt hat er geheiratet und seine frau im drogen- oder alkoholrausch ein paar mal verprügelt, dann hat sie sich scheiden lassen und er ist irgendwann in den 80er jahren als kneipenwirt in kreuzberg geendet. wahrscheinlich tanzt er noch ab und zu hinterm tresen ein bißchen boogie-woogie. der war so klein und gedrungen und ganz schnell und beweglich, das war der hammer! damit hat er die frauen umgeschmissen, mit seinem tanzen, obwohl er nicht gut aussah."
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