Kajak: Haus der Jugend (dianrecordings@gmx.de / zomba)

Liebe zur Musik. Das ist immer so ein Ding. Es kommen immer ganz viele Platten raus, denke ich mir, wenn ich so Veröffentlichungslisten vor mir habe. Damit die dann auch die Leute ansprechen, die sie hören sollten, macht man Promotion. Das sieht dann so aus: Man beauftrage eine Agentur, die deutschlandweit flächendeckend stapelweise Jeanette Biedermann-CDs in allen möglichen Medienmärkten kauft und gelangt so in die Charts. Das qualifiziert den oder die Musiker/in, im Fernsehen (Top of the Pops/Viva/MTV) und im Radio gespielt zu werden, was wiederum bewirkt, dass die CD wirklich gekauft wird und so auch in den Charts bleibt. Und zwei Monate später macht man das gleiche mit der sogenannten Tour Edition und hat dann auch noch die Konzertgänger im Sack. Was das mit Kajak zu tun hat? Gar nichts. Die Kajak-CD kam mit einem handgeschriebenen Brief von Ulf aus Hamburg. Er schreibt, dass er gar nicht mehr weiss, wann er zum letzten Mal einen Brief geschrieben hat. Die Band Kajak aber liegt ihm am Herzen. Deshalb will er, dass die ins pittiplatsch3000 kommen. Das ist Liebe zur Musik. So muss Promo laufen. Kajak besteht aus zwei Leuten. Der eine, Matthias Rothaug, war schon mal bei Fink. Und bei Die Braut haut ins Auge. Und mehr. Der andere, Andreas Reth spielte ausser in vielen anderen Bands mal bei Concord. Das beweist schon mal, dass man sich in Sachen Musizieren auskennt. Haus der Jugend ist so eine Platte, die man einfach mögen muss. So muss angenehme Musik sein. Das kann ganz ruhig nebenbei laufen, aber auch im Vordergrund zum Hinhören auffordern. Melodien, geschickt und verspielt mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und jeder Menge Elektronik gemacht. Texte, die ehrlich sind und zwischen den Zeilen auch was bieten. Über Leben auf dem Land ("Landluft") , doch kein Punk sein ("Blümchenpflücker") oder die grosse Frage nach dem Erfolg ("Super, ja"). Mich erinnert das an die Sterne. Nur eben zehn Jahre frischer. Nicht, dass die Sterne schon über ihren Zenit wären, aber Kajak klingen schon ein gutes Stück beschwingter. Ausserdem hat das ja auch teilweise Frank Spilker produziert.
Nächste Woche werde ich in einer Bar Musik auflegen. Das ist immer so ein Ding, wenn man Leute zwar beschallen, aber nicht zum tanzen bringen kann. Man kann Lieder spielen, die die nicht kennen. Und Lieder, die einfach so schön sind, dass man sitzen bleibt, ohne zu wissen, warum. Kajak werde ich da spielen. Mehrere Lieder. Zum einem die mit Gesang und zum anderen verspielte Elektronische. Da hat man zu allen Gelegenheiten was. Sehr schöne Platte. säm
 

Schneider TM: Zoomer (City Slang/Labels)

Prima, jetzt wird Platten besprechen genauso lustig, wie Ikea Regale aufbauen. Danke Internet_Übersetzungsprograme! Ich zitiere den Plattenfirma-Infozettel: "Sein zweites volles Länge Album, Zoomer, moderne Tiefe des musikalischen Anblicks zur harten gewonnen Klugheit der Lebenserfahrung". Mein Gott, was muss der Junge durchgemacht haben. Erfahrung hat er ja einige. Uns pittiplatsch3000-Oldies noch bekannt als Schneider (ohne TM) bei wunderbaren Bands wie Hip Young Things oder Locust Fudge, für die wir einst hunderte Kilometer gefahren sind. Die deutschen Dinosaur jr. hiess es immer. Ostwestfälische Lemonheads. Und echt. Der Ostwestfalenszene, u.a. noch mit Sharon Stoned oder Elektrosushi weinen wir noch heute nach. Namen wie Krite aka Christopher Uhe, Mark Kowarsch oder eben Schneider (bürgerlich, wunderbar, Dirk Dresselhaus) hatten Grosses vor und habens vielleicht noch immer. Damals aber, vor fünf Jahren, hätten sie fast "die mit der Schule" sein können, wenn nicht plötzlich ein paar Hamburger Bands wunderbare Platten veröffentlicht hätten... Ja, Ostwestfalen (die Gegend um Bielefeld). Dann machte Dirk aka Schneider rüber und hing die Gitarre an die Wand und sich den Sampler um. Fing an, während er, glaub ich noch sporadisch, seine Band Locust Fudge noch ab und an aufleben liess, Minimal-Techno-Lieder zu schreiben. Sagt man bei solcher Musik "schreiben"? Er bestimmt. Schliesslich ist er doch Songschreiber. Hat er doch gelernt. Mit der Gitarre und dem Schlagzeug. Egal, anderes Thema: Kann mir jemand Minimal-Techno definieren? Ich schmeiss hier so mit dem Wort rum, weil ich glaube, dass es das ist.... (Denke zurück an die Popkomm letztes Jahr, als Mawe meinte: "Lass uns doch zu den Gebr. Teichmann gehen und Minimal-Techno tanzen..." und ich so: "Ja klar, darauf hab ich auch Lust..." Wir kamen nie an, sonst wüsste ich vielleicht jetzt, was das ist).
Weiter im Info: "Folglich single zuerst, "Frogtoise", der freaky Traum des Verstärkens eines Frosches auf eine Schildkroete, ein Bass summen, aber melodically, die zerbrechliche Melodie, die mit kaleidosopic Harmonien überlagert wird, die als Staulernabschnitt mit Kpt. Michi.Gan anfingen."
Ah, jetzt kommts: "Unterdessen versehen bester Freund und lange Zeit Gehilfen, Christopher Uhe, um Bass auf dem wirbelnden ecto-plasmal digitry von "999" zu spielen."
Und eben dieses "999". Ein düsteres Machwerk. Aber verspielt auch. Sozusagen die Darth Vader-Puppe im Kinderzimmer. Gehört in Kinderhand, aber bereitet dem Kleinen schlimme Träume.
"Reality Check", der Opener auf "Zoomer", ist so was, wie ein Remake Schneiders Vergangenheit. Gitarre und seine Stimme. Süsslich anfangs. Irgendwann kommt aber, "ja, das ist jetzt", die Gegenwart durch. Es flickert und rattert an allen Ecken und Enden und verzerrt wird auch noch.
Aber eingängig war er ja nie. Gerade bei den Hip Young Things und Locust Fudge wurden grosse Melodien erfunden, die kurz auftauchten, um dann ordentlich zersägt zu werden. Moby fällt mir gerade so ein. Hat auch ganz Grosses an Gitarre und Schlagzeug gehört und nachgemacht. Dann mit Elektronik ausgedrückt. Mulitinstrumentalist, wenn man mal Gitarre und Elektronik als Multi-Instrumentarium definiert. So klingt Schneider TM heute ruhig, verträumt, verspielt und gewachsen. Digitale Bauteile basieren auf analogen Grundsteinen. Sich kleine Steinchen raussuchen. Mit anderen vermischen. Zerschlagen und wieder kleben.
Aber wieder zum Info. Hier werden noch riesige Namen gedroppt: Chef Sau (ich machs euch leichter: Christina Martinez und Jon Spencer spielen da), Könige der Bequemlichkeit, John Schale (hat eine BBC-Radiosendung) und bestens: "Hanayo, ein ehemaliges Japan-Knallen Stern" (ich schmeiss mich weg...! Kommt ihr drauf? Nein? "Pop Star" ist die Lösung...).
Ja, endlich ist es mal soweit. Ich schreib nur die Presse-Info ab. Ohne schlechtes Gewissen.
Und so Ende ich auch mit: "Im Augenblick hat Schneider TM gerade eine elektronische Knallbombe zur Detonation gebracht. Bewachung, die sie explodiert."
(Den Babelfish Internet Translator gibt's unter http://babelfish.altavista.com/translate.dyn )
säm
 

Gemma Hayes: Night on my Side (Source/Labels)

Vor ein paar Jahren gab es mal so eine Welle mit weiblichen Songschreiberinnen. Alanis Morrisette ist die einzige, die mir im Kopf geblieben ist. Eine andere hatte einen Hit mit dem Namen "Bitch".
Das ist jetzt nicht mehr so. Nicht schlimm, obwohl ich Frauenstimmen mag. Aber bei dem Trend war mir zu wenig dahinter. Nur weibliche Songwriterin als Kriterium für einen Hype ist mir zu wenig.
Jetzt liegt das Debüt-Album von Gemma Hayes vor mir. Dem Label nach (Source) verteile ich schon mal die Vorschusslorbeeren. Drücke dann die Playtaste und bin enttäuscht. "Night on my Side" ist nett. Mehr nicht. Da fehlen Ecken und Kanten. Das ist Rock mit sicher schönen Liedern, aber ohne mich zu verzaubern.
Ich erzähle das rum und erfahre, dass schon Interviews mit Gemma Hayes im Fernsehen liefen. Und in genau denen betonte sie ausführlich, dass sie eben nichts mit dem Female Rock-Dingens am Hut haben, sondern ihr eigenes Ding machen will.
Soll sie auch. Mir hat das aber zu wenig Feuer. Es fehlen Ösen und Haken. Und es fehlen die ganz grossen Momente. Säm
 

Tocotronic: Tocotronic (lado)

Die neue Platte kann nicht mehr Idenditäten schaffen ,wie Tocotronic früher. Dafür haben sie eine wunderschöne Zuhörplatte gemacht. Waren sie früher noch Rebellen gegen die kleinen Hürden im Leben (Tennisspieler, Jonglierer, Tanztheater, Gitarrenhändler, usw.) geht es heute nicht gegen, nicht für, sondern um: ja was eigentlich? Dirk v. Lowtzow geht David Lynch. Texte, die kein Mensch direkt versteht. Nix zum zwischen den Zeilen lesen und noch weniger zum einfach raushören und sagen: genau, so geht's mir auch. Aus. Schlussmachen mit den Gleichsein. Gleich-Fan und Gleich-Klischee. Dafür (und man ist alt genug) in Richtung Dichtung. DvLs Texte lassen nichts mehr klar sein. Das heisst alles und auch nichts. "Hi Freaks" wird Spex-Single des Jahres. Die Wette gilt. Aber sonst?
Tocotronic haben eine wunderschöne Platte aufgenommen. Ich hör sie gern. Nur: Selten. Jan Müller verrät im Interview, dass er sofort alles verstanden hat, was Dirk im Lied ausdrücken will. Und, will Dirk v. Lowtzow überhaupt, dass Jan ihn versteht? Und noch mehr, dass wir ihn verstehen? "Alles was ich will, ist nichts mit euch zu tun haben", schrie er vor fünf Jahren. Meinte er damals mich? Ich dachte: "Nee, genau. Und die in der ersten Reihe haben gar keine Berechtigung hier zu sein." Und ich so: "Hey, Trainingsjacken trag ich jetzt gar nicht mehr.".
Jetzt ist 2002. "Tocotronic" ist eine gute Platte. Tocotronic sind so was, wie das gute Gewissen des Indierock. Sie werden viele Platten verkaufen. Ihre Konzerte werden ausverkauft sein, weil man einfach hingeht, wenn sie in der Stadt sind. Sie hatten sehr viel Einfluss. Auch auf mich. Ich wäre ein anderer, wenn es diese Band nicht gegeben hätte. Zweifellos. Aber, wenn mir jemand erzählt, er höre jetzt Neil Young und will sich von dem was kaufen, weiss aber nur nicht was, dann würde ich ihm bestimmt nicht das aktuelle Album empfehlen. Obwohl es bestimmt ganz okay ist.
Aber. Zenit überschritten, will ich gar nicht sagen. Tocotronic sind gut, so wie sie jetzt sind. Nur, wurde so wie ich bin und den Einfluss, den sie darauf hatten, das war einmal. Im Sommer 2002 sind Tocotronic eine Band, die ein überdurchschnittliches Album veröffentlichten. Unter den Top Ten des Jahres vielleicht.
Ich sitze im Auto und höre "Tocotronic" immer wieder. Entdecke beim 30. Hören plötzlich, dass ich doch zwischen Zeilen Sachen für mich raus hören kann. Ich befasse mich zu wenig mit Literatur. Sollte mal nachschlagen, wie man das bezeichnet. Sollte mich mal schlau macchen, denn vielleicht sollte so ein Gedichtband doch was für mich sein. Aber darin müsste man blättern, bei Tocotronic muss man nur ein paar mal hinhören. Ein Bekannter, der sich mit Literatur auskennt, hat mal von mir das Textheft zur Platte bekommen. Er las zwanzig Minuten drin, bis er es mir wieder gab und meinte: "Das ist Nonsens-Literatur."
Hm, es ist vielleicht trotzdem gut, man hört auf seine eigene Meinung und zieht das raus, was man gebrauchen kann. Tocotronic, jedenfalls, bleiben relevant. Jedenfalls für mich. Man kann vielleicht nicht mehr dazu springen, wie einst Christoph Koch lieber getan hätte, statt bei Tortoise ergriffen in der Ecke zu stehen (vgl. komm küssen-Fanzine). Jetzt steht man bei Tocotronic in der Ecke. Und springen kann man ja noch zu viel genug. säm
 

Anajo: Tanz Tanz Band (www.anajo.de)

Zwei Jahre haben uns die symphatischen Augsburger um Frontman Oliver Gottwald warten lassen. Viel zu lange: Schliesslich eroberten Anajo bereits mit der im Jahr 2000 veröffentlichten Demo-CD "Geboren für die Stadt" die Herzen aller Pittiplatscher und machten hungrig auf MEHR. Immerhin beglückten uns die Bayern mit zahlreichen Supportgigs im Vorprogramm musikalischer Verwandte aus dem Norden: Tomte, Kante, Superpunk und Samba, so dass wir nicht lange geweint haben. Und das hat auch alles sein Gutes: Diamanten müssen schliesslich geschliffen werden, um zu glänzen. Und drei Akkorde sind besser als vier. Im Jahr 2002 strahlen Anajo mehr denn je. "Tanz Tanz Band" präsentiert sich reifer als seine Vorgänger, ohne dass die Band ihren Jugendlichen Charme eingebüsst hat. Bei Titeln wie "Monika Tanzband" und "Honigmelone" gibt es schnell "Streit" innerhalb der Redaktion um den besseren Text/Song. Grrrrrrr! Aber am Ende haben wir doch festgestellt, dass wir sie alle lieben. Schliesslich steht am Anfang immer ein wunderschöner, minimalistischer Popsong für Gitarre, Bass und Schlagzeug. Darauf können wir uns einigen. Und dann wird der PC in den Song gelinkt wie frisches Zitroneneis im Sommer deinen Hals angenehm kühlt. Und das klingt nicht nach frühen 80ern, sondern nach hier rund jetzt, ganz frisch und leicht. Wir Mädchen sagen: Cool und Sexy. Yeah! Ach ja, und weil das auch andere finden, haben Anajo im Juni den MTV Newcomer Wettbewerb gewonnen. Wer sonst. Kaufen, jajajajajaja. (ju*)
 

Mia: hieb und stichfest (r.o.t./sony)

Da muss man eigene Gefühle gar nicht unterdrücken oder beschönigen. Popstar sein, das wärs. Träumen wir alle von. Mal nachts vorm einschlafen, wenn die neue Lieblingsplatte läuft. Meistens, wenn man sprachlos vorm anderen Geschlecht steht und diese gottverdammte Smalltalk-was_könnt_ich_noch_fragen-Gesprächspause hat und man wieder merkt, dass die gleich wieder geht und man gar nicht weiss ob_wer_vielleicht_warum_nicht.
Popstar. Da würden die Schlange stehen. "Zu spät" von den Ärzten. Riesenhit. Hat mir mehrere Abende, Tage gerettet.

Popstar aber nur sein, wenn man das als Vorteil nutzen kann, was man eh schon hat. Nämlich sich und seine eigenen Eigenheiten. Der Nerd Rivers Cuomo von Weezer zum Beispiel. Sieht auf der Bühne aus, als hätte man ihn gerade beim Hacken im NASA-Rechnersystem gestört.
Oder Morrissey. Der hat bestimmt so gelitten. Sowas fällt einem nicht in den Schoss, wenn man glücklich und verliebt aufm Rummelplatz Zuckerwatte ist...

Diesen Monat will Mia Popstar werden. Nicht nur sie. Auch die Leute um sie rum. Zum ersten muss man Mia definieren.
Ich dachte immer, Mia, dass ist die, die im Video so theatralisch ihre Jacke über den Einkaufswagen weg schmeisst. Und dann noch so rumschreit.
Dabei ist Mia eine Band. Die, die da singt, heisst Mieze. Feminismus, ick hör dir trapsen.
Also sie will Popstar werden. Und die Band. Und andere auch. Also andere heisst jetzt eben Beteiligte.
Störenfriede beschimpfen in diesem Augenblick Plattenfirmenbosse und Musikvideofernsehenprogrammredakteure. Die sind es im Fall Mia nicht. Bei Mia wurden gar "Livevisuals-Macher", Remixer und, haha, "Modeselektor" mit ins Boot geschmissen, beziehungsweise sprangen da einfach mit drauf. Aus welchen Grund auch immer. Wasser steht denen in Berlin wahrscheinlich überall bis zum Hals. Vor allem Medien und Kunst und so Dann steht da eben ein Konzept. 80er Jahre, das geht im Augenblick ganz gut. Punk und Iro, hey, da bin ich doch dabei. Und gefärbte Haare hab ich mir erst letzte Woche machen lassen. Ganz grosses Ding.

Jetzt läuft Mia in der Stereoanlage. Vor zwei Tagen sah ich die noch live. Sah vorher Leute, die gespannt waren, was das denn so sei. Sah eine Kultur Spiegel-Titelseite mit der drauf. Sah wieder mal den Videoclip mit dem Jacken-über-Einkaufswagen-wegschmeissen. Das wird aufgebaut. Wenn da mal nicht wieder Feind Kapitalismus irgendwo mit drin steckt....

Live war das eine zwielichtige Sache. Mia, äh, Mieze wirkte wahnsinnig unsicher. Konstruiert (von wem? Den Livevisualizern, Modeselektoren, und äh, weiter?) und durchgestylt. Selbstgeschneiderter (Modeselektor!!) Berlin-Fan-Tuch-Umhang mit Bär und haut-eng. Weiss. Mitmusiker, äh, Mia in weiss.
Mieze sang das erste Lied mit dem Rücken zum Publikum. Aber nicht aus Laune, sondern, weil das von irgendjemanden für cool gefunden wurde. Der ihr das gesteckt hat, dass das doch mordscool rüberkäme. Zwei Minuten vorher machte Mieze aber noch Gymnastik am hinteren Bühneneingang. Damit die auch ohne Muskelkater morgen wieder auftreten kann.
Jedenfalls meinte mein Nebenzuschauer: "Wie findest´n das?"
Ich so: "Nee, ich find das zu konstruiert und so."
Er so: "Meinste? Aber klingt doch geil, oder?"
Ich so: "Ja, haste ja auch wieder recht."
Und so weiter.

Jedenfalls ist das schon ganz okay so. 80er Jahre Punk. Mischung aus Nena, Ideal und härter noch. Mit Elektronik und allen Pipapo, den man jetzt noch hat.
Geil im Trend halt. Retro wär das böse Wort. Frechheit das gute.
Hat auf alle Fälle gute Lieder, diese Debut-Platte. Zum Beispiel "Ekelhaftes Benehmen", die Jacke_über_Einkaufswagen_schmeiss_Single_Auskopplung "Alles neu" und vor allem "Kreisel".
Aber mich introvertierten Realness_Indie_Typen schreckt halt doch ab, wenn auf der Hülle direkt nach dem Produzenten die Imagedesignerin steht.

Ich will Popstar sein. Auf der Bühne für das gut gefunden werden, was ich denn so bin. Und nicht was machen, was denn gerade gut geht und ich so tun könnte.
"Wahr ist, was wahr" ist sagen die Sterne. "Den Grosstadt-Trend von heute kann ich morgen noch gut bei Provinz-Ebay reinsetzen" sag ich.

Mia werden diesen Sommer abräumen. Werden im Stern und im Musikexpress eine Seite bekommen. Nächsten Sommer aber werden sie nicht mal bei der "Was macht eigentlich...?"-Seite mehr gefragt werden.

Dann schreibt man schon längst über das grosse Grunge-Revival oder das andere grosse Ding in den 90en. Was war es denn noch mal?
(säm)
 

Last Days of April: Ascend to the Stars (Bad Taste Records)

Ha! Was gibts passenderes als Last Days of April in der letzten April-Woche zu besprechen? Kirmes-Platten zur Dorfkirchweih? Babes in Toyland während der Nürnberger Spielwarenmesse? New Order zur Bundestagswahl?
So kann man sich toll rausreden, dass man das Ding schon lange hat, aber bis jetzt noch kein Wort drüber verlor. Hab ich euch, Pack!
Dafür lief die CD aber schon auch längere Zeit kontinuierlich in der, sagen mir, handwarmen Rotation.
Die Sportfreunde Stiller wollten ausdrücklich und auf "persönlichen Wunsch" (Info), dass diese Band ihre Vorband gibt, wenn sie Ende April (siehe oben) und im Mai auf Tour sind.
Werden sich wohl gut mit den Schweden verstehe, machen sie doch schöne Pop/Rock-Musik (oder wie sagt man, wenn man halt Musik mit Gitarre, Schlagzeug und Bass macht, die eingängig, aber nicht weichgespült ist, eher mit viel Gefühl, manchmal nachdenklich, manchmal rauh und laut?). Mir gefällt zur Zeit am besten dieses kleine Schnelle namens "Playerin" (ist das die weibliche Form von Player? Gibt's das im Englischen? Ich muss da gerade echt überlegen.).
Die anderen Stücke sind ruhiger. Ich muss da jetzt Vergleiche aus der Tasche ziehen. Sagen wir mal ab und an diese Franzosen namens Phoenix. Dann eventuell ein bisschen Buffalo Tom.
Ich glaube, dass die, wenn sie sich im Sommer auf den Festivals sauber anstellen, ganz gross werden könnten. (säm)
 

Johan: Pergola (Munich Records)

Wie schliessen sich doch die Kreise.
Letztes Jahr stand ich in Köln auf dem Dach des Büros von Steph und Tom Sonic. Es war Sommer und wir hörten Musik, die uns aufwühlte (vgl. pittiplatsch3000 nr.8).
Als wir auf diesem Dach standen liefen For Stars und Bright Eyes. Ich gestand es den anderen nicht, dachte aber für mich: Wie schön ist eigentlich Independent-Pop?
Also dieses Gitarrenzeugs. Das junge Leute aufnehmen, die Träume haben. Denen Melodien einfallen, wenn sie gar nicht damit rechnen.
Einen Tag später fuhr ich nach Nijmegen in Holland um Merry Pierce das erste und einzige mal live zu sehen. Eine holländische Band, von der ich bis dahin nur ein Lied kannte, das mich aber soweit brachte, diesen weiten Weg (Feierabendzüge, stundenlange Aufenthalte in niederländischen Minibahnhöfen ohne Klo und Zeitschriftenstand) auf mich zu nehmen.
Merry Pierce haben mich ebenso aufgewühlt, sich aber später aufgelöst.
Worauf ich raus will:
Steph (der mit dem Büro und dem Dach), inzwischen nach Köln umgesiedelt, schickte mir eine CD einer holländischen Band namens Johan. Die lag erst mal zwei Tage, weil, ihr wisst schon, das Cover keine niederen Instinkte wie Sex, Drogen oder Frühling ansprachen. Dann aber lag das im CD-Spieler.
Und verdammt, da ist es wieder: Der Geist von Indie-Pop mit Gitarren.
Als ob Teenage Fanclub und Buffalo Tom immer noch gemeinsam touren. Verdammt. Ist das schon Nostalgie jetzt?
Bei der Platte von der Band Gary sprechen alle von so was wie der Auferstehung oder mindestens Huldigung von alten Recken der Indieschule wie Dinosaur jr. und Guided by Voices. Ich verehre diese noch genauso wie vor den paar Jahren.
Aber bevor ihr im Plattenladen bei Gary mal reinhört, nehmt euch noch Johan mit zur Abhörstation.
Da will ich glatt den Pepsi-Test machen. Eine Mundpartie hört Gary, eine Johan. Wie weit geht das Grinsen in Richtung Ohren?
Hymnen, sag ich euch, Hymnen.

Dem Mawe hab ich nach zwei Tagen folgende Mail geschickt:

johan
hast du die johan-cd von volume11 bekommen?
das ist unfassbar! nur hymnen!
neue buffalo tom und teenage fanclub in einem...
säm

als antwort kam:

re:johan
ja! mein reden! Wahnsinn!

Das muss Rezension genug sein.
Macht den Abhörtest!
(Säm)
 

pelzig: drive your engine clean (payola)

eine der großartigsten platten, die dieses jahr erschienen sind. der opener "speaker" spricht für sich, und das verdammt laut! pelzig rocken wie bolle, da können sich die white strokes und wie sie alle heißen verstecken. durch die bank saugute lieder. (mawe)
 

the new pornographers: mass romantic (matador)

auf die bitte, eine platte für mich zu kaufen und selbige mir zu schicken, meinte ein freund: unter einer bedingung - besorg dir SOFORT die neue cd von the new pornographers! seinen exquisiten musikgeschmack kennend, ließ ich mich nicht zweimal bitten. aber jetzt, wo der sommer kommt, geht diese platte erst so richtig auf in mir. etwas pixies-artiger rocknroll für den ganz euphorischen sommertag. aus kanada. (mawe)
 

camille dávila: not for the disco (below recordings)

aus dem fernen san francisco flatterte da ein umschlag in meinen briefkasten. mit neben der nächsten hier besprochenen dieser wunderschönen pop-cd hier. frau dávila singt, spielt gitarre und bedient den einen oder anderen synthesizer. angenehm unaufdringlich und vorsichtig produziert. (mawe)
 

the bad cassettes: bad master (below recordings)

super bandname, super titel, super cover dafür: eine cassette, aus der das band rausflattert. ein trashiges ein-mann-projekt mit zur hälfte songs, die an die country-phase von beck erinnern, zur hälfte seltsamen klanggebilden, die sich anhören, als würde mr. sean murphy die stationen eines mittelwellenradios durchschalten. wer weiß, vielleicht ist dem master ja wirklich was zugestoßen. (mawe)
 

chewy: somanydynamos (b-track europe)

von chewy, den lustigen schweizern, durfte ich unlängst ein paar konzerte miterleben und das war die hölle eines miterlebens. mit gänsehaut bis zu den haarwurzeln. diese jungs sind einfach so großartig, so straight, so wunderbare musiker und so "verrucktenen rockern", wie sie sagen würden, daß ich nicht mehr weiterschreiben kann, weil ich jetzt die cd weiter anhören muß. (mawe)
 

looper: the snare (mute)

von mir sehnlichst erwartet, weil mir die ersten beiden alben der familienband(e) um den ex-belle & sebastian-musiker stuart david (seine frau und sein bruder sind noch dabei) besser gefallen haben als das letzte b&s-album, ist das dritte looper-album eine schwere enttäuschung für mich. warum zur hölle macht er jetzt diesen komischen souligen hip-hop? warum ist er überhaupt von jeepster weggegangen? (mawe)
 

the shining hour: postcards from home (apricot)

es ist das opium des musikkritikers, schönes neuzuentdecken. the shining hour ist marc cohen aus england, und er singt worte wie "i ache" mit einem optimismus, daß man gar nichts mehr befürchten kann. (mawe)
 

boy division: ill (fidel bastro)

die chefkrawaller aus hamburg (dabei u.a. einer von superpunk) jagen einen hit nach den anderen durch ihren overdrive-fleischwolf, daß keine hose trocken bleibt. die liste ihrer cyberpunk-coverversionen reicht von motörheads "ace of spades" über das unsägliche "these boots are made for walking" und chris isaaks "wicked game" (aus dem ein großartiger something-like-ska-metal-song gemacht wurde) bis zu jüngeren schlagern wie "wonderwall". (mawe)
 

jan gazarra: i've come to see you once again (ladomat)

über den knaben aus hamburg wurde schon viel geschrieben, über die wunderbaren zart-elektronisierten songs voller melancholie, den simon & garfunkel-hinweis im albumtitel und die leonard cohen-coverversion (chelsea hotel), so daß ich hier nur sagen kann: pitti platsch stimmt zu! (mawe)
 

solarscape: secret everything (rewika)

nach dem debutalbum "the slow, sad truth of other people's lives" der wiesbaden-amerikanischen solarscape, das so slow gar nicht war, sondern ein enormes hitaufgebot, äh, aufbot, kommt jetzt mitten im werdenden sommer mit "secret everything" ein solches herbstalbum, daß man sich erst mal ein bißchen besinnen muß. aber letztes wochenende beim immergut-festival hat das wunderbar auch am hellichten sommernachmittag funktioniert. große songs und mit "gwyneth paltrow" auch ein richtiger mitspringer. (mawe)
 

the blondes: s/t (middle class pig records)

tja, eins der ultimativen sommer-alben, würde ich sagen. rock'n'rock radar, um die von mir ehemals sehr geschätzte band D.A.D. sinnlos zu zitieren. ein lied heißt "suzie quatro". geil eigentlich. (mawe)
 

pluxus: european onion (rocket girl)

der vergleich "die schwedischen jeans team, nur ohne gesang" hinkt etwas, denn pluxus sind gar nicht so in-die-fresse-mäßig unterwegs wie die besagten berliner. sehr nette C64- und casio-melodien zum mitwippen. zu gerne würde ich wissen, was songtitel wie "kung den knege" bedeuten. (mawe)
 

le fly pan am: ceux qui inventent n'ont jamais vecu? (constellation)

phew, heavy stuff. checkerpop aus kanada. minimalistisch, instrumental, ausufernd und unglaublich eindringlich. einmal noch muß ich das verbotene wort verwenden, weil es so einfach ist, so unverbindlich, weil es nichts erklärt und doch so unverwechselbar aura-haft das damit beschriebene umgibt: postrock. geil, gleich nochmal: postrock, postrock, postrock. (mawe)
 

komeit: falling into place (monika)

ich liebe diese band. seit ihrer ersten 10". seitdem hat sich daran auch nichts geändert. an deren musik nicht und an meiner liebe nicht. musik zum im zug durch traurige landschaften fahren. verdammte scheiße, dazu muß ich weinen. bitte noch tausend platten machen, liebe julia und lieber chris. (mawe)
 

rescuetheanne: believe (www.onetake.de)

hier kommt wieder meine social distortion-ader durch. schmissige songs und ich mag die gesangsstimme. bands, wenn ihr mich an der angel haben wollt, dann singt zweistimmig. (mawe)
 

besser: bi (tapete records)

entschuldigung, aber das ist grauenhaft! hat euch das denn niemand gesagt? moment, ich muß schnell den kopfhörer wegtun, bevor ich weiterschreibe. tapete records ist ein neues label, an dem der frühere sänger der jeremy days beteiligt ist. seine vergangenheit in ehren, aber dieses jämmerliche gewinsel kann man niemandem ernsthaft zumuten. (mawe)
 

anorak ds: s.u.p.e.r. rush (www.anorak-ds.de)

das hier dagegen ist, trotz des allzu hippen namens, sehr okay für meine heute schon stark strapazierten ohren. angenehm. gesang mit etwas spleeniger aussprache. besungen wird u.a. der tag, an dem der protagonist dachte, neben joseph beuys zu stehen sowie die schwierigkeit, morgens um halb neun in berlin einen stadtplan zu erstehen. echte streicher. schöne melodien. gefällt mir. (mawe)
 

the sheila divine: where have my countrymen gone (b-track europe)

netter britpop aus brighton. tausendmal gehabt, trotzdem schön. travis und hymnenhafte refrains. (mawe)
 

windsor for the derby: the emotional rescue LP (aesthetics)

sehr zerbrechliche, langsame lieder mit langen keyboardtönen und gezupfter gitarre. wie wenn man eine folk-single auf 33 anhört. der gesang erinnert mich an the sea and cake. die bandmitglieder kommen aus new york und austin, texas. (mawe)
 

erdbeertörtchen: in den straßen von teefabrik (7", www.erdbeertoertchen.com)

erdbeertörtchen haben sich die schwierige aufgabe gestellt, intrumentalmusik mit gitarrebassschlagzeug zu machen. okay, sie müssen ja nun nicht so gut wie couch sein in dieser disziplin. das hier ist auch eher tanzmusik. sie schaffen es jedenfalls, inerhalb der lieder so abwechlungsreich zu sein, daß die aufmerksamkeit des hörers nicht flöten geht. respekt. wie nett: das singlecover ist mit verschiedenen sammelbildern beklebt. und aber jetzt muß ich es sagen: was für ein doofer bandname! (mawe)
 

my robot friend: the fake e.p. (12", www.dekathlon-records.com)

drei trashige elektropop-tanzmusik-songs des new yorkers my robot friend und zwei remixe (zombie nation und steril), die fast noch besser sind als die originalversion von "the fake". der fake: die drei stücke auf der a-seite enden jeweils in einer auslaufrille. (mawe)
 

sergej auto: musik, ok (12", saasfee)

vier coole tanzflurhits des sympathischen tschechen. noch besser als das debut "achtung, auto". mit console-liken computervocals und 80er-discountbeat. sergej gimme more! (mawe)
 

echophonic: navigator (www.echophonic.com)

supersupersuper! die wiener band hat da einen ganz schönen hammer abgeliefert. tinas stimme klingt noch besser und die gitarren sind diesmal richtig dick. ohrwurmalarm. leider wird das ding nicht in deutschland vertrieben, aber checkt mal die website. (mawe)
 

busch: bossa nova (apricot records)

ich habe mich lange um diese besprechung gedrückt, weil ich angst hatte, die nötigen superlative nicht zu finden.
irgendwann holte ich die cd aus dem briefkasten, hörte kurz rein, war nicht in der stimmung, dachte: nett. dann lag sie zwei wochen rum. eines tages tat ich sie im auto in den cd-spieler. ich fuhr gerade in der spätnachmittagssonne über einen hügel. ab dem zeitpunkt, und das ist inzwischen nochmal zwei wochen her, höre ich sie fast ununterbrochen und das ding ist einfach nicht totzuhören. im gegenteil, sie wird sogar immer noch besser. und die eigentlich lange erwartete promo-cd einer dreiköpfigen hamburger band langweilt sich in der zimmerecke.
auf erste hören ist "bossa nova" nicht mehr und nicht weniger als eine schöne, glatt produzierte pop-platte.
so fucking what?
irgendwann kapiert man. die melodien, die texte, die gitarren, den rhythmus. wie alles gemeint ist. und dann diese anspielungen. "christian, ich will nur, daß du weißt, es war sinnlos". william, it was really nothing. liedbeginn mit fade-in. fade-in: the smiths. und kreuder ist morrissey. der deutsche. das ist unglaublich, das ist wahnsinn und ich höre mich an wie ein rummelplatzmann, der für sein karussell wirbt, aber es ist wahr. plötzlich merkt man, daß ein hit dem nächsten folgt und man hat angst, daß das aufhört. hört es aber nicht. bis es ganz aufhört. diese ineinander verwobenen gitarrenmelodien, dieses schlagzeug, diese wunderschöne stimme, diese großen textzeilen. die lieder "außer atem, außer dir", "nicht mit uns, marleen" und "schwarm und schwerkraft" gehen hand in hand mit den großartigsten, die je in deutscher sprache geschrieben wurden und dir nicht mehr aus dem kopf.
was, ich hab noch andere cds? (mawe)
 

Fred is Dead: Greatest Hits (Hausmusik / Indigo)

Ich höre diese CD mit einem verflucht teuren HiFi-Studiokopfhörer, den ich zufällig ausgeliehen hatte, und das erinnert mich an eine Szene in Wolfgang Petters' Musikzimmer, als wir ihn vor ein paar Jahren besucht hatten. Dort stand ein alter Lehnstuhl mitten im Raum und, wie es die Regeln der Stereophonie vorschreiben, im 60-Grad-Winkel dazu ein Paar teuer aussehende Boxen, genau dazwischen ein ebenfalls teurer Plattenspieler. Darüber an der Wand hing eine golden angesprühte Platte: Der erste Hausmusik-Sampler. Zehn Jahre alt, genauso wie Fred Is Dead. Fünf Alben, und jetzt: Fred Is Dead is dead. In-Deutschland-verstreut-sein wird als Grund genannt. Wolfgang Petters, Marion Gerth, Katja Raine und Florian Zimmer (außerdem bei Iso68 und Lali Puna tätig) wohnen in aller Herren Städte, jedenfalls nicht mehr in Landsberg am Lech.
Fred Is Dead irgendeinen Stil zuzuordnen, und das hört sich so an wie aus den Bandinfos zigtausender Newcomerbands, ist aber anders gemeint, ist schwierig. So als würde man alle Projekte, in denen Elektromeister Wolfgang Petters mitmacht (wie sein Soloprojekt A Million Mercies und die Lärm-Allstarband Village Of Savoonga) unter einen Hut bringen wollen. In seinem Plattenregal stehen übrigens ca. 20 cm Johnny Cash. Die ganze Diskografie von Fred Is Dead wimmelt von Zitaten musikalischer und auch literarischer Art. Letzteres so geschickt und subtil, daß man immer denkt: Das hab ich doch schon mal gehört, aber wo? Oder doch nicht?
Das Vorgängeralbum "Mosaic" hatte starke Bossa-Nova-Einflüsse, war sehr zurückgelehnt und wurde in einem Ferienhaus in Lido di irgendwas aufgenommen. Die neue in einem Keller in München. Und neu ist sie wirklich, "Greatest Hits" bezieht sich nicht auf die Lieder, sondern allerhöchstens auf die verschiedenen Stilrichtungen, die es in der Geschichte von Fred Is Dead gab. Ein gar nicht geschlossenes Album, mit seinen 37 Minuten kurz dazu, mit 8 unbekannten Hits. Manchmal punkig mit trashig verzerrten Gitarren, manchmal verträumt-folkig, manchmal mit Männer-, manchmal mit Frauengesang. "Margin" verbindet das alles auf wunderbare Weise, Micha Acher spielt Trompete und zusammen mit Kontrabaß und Schrammelgitarre denkt man fast an die erste Calexico-Platte. Bis dann im letzten (im allerletzten) Lied endlich Johnny Cash zum Vorschein kommt und, untermalt vom einer alten Orgel und Händeklatschen, stellvertretend für uns, fragt: "Why do you turn?" Und das ist einer dieser ganz, ganz großen Momente. (mawe)
 

V.A.: Instrumental Surgery (Deck8)

"Ich brauch kein Hip Hop, kein LSD und ich könnt kotzen, wenn ich nur ´ne Disco seh!", sang die Rockabilly Mafia einst und erntete damit breiten Applaus, nicht nur beim älteren Semester.
So diese Besprechung einer Instrumental Hip Hop-Compilation anzufangen ist saufies.
Ich musste das aber los werden.
Mit 16 war ich ziemlicher Hip Hop-Fan, holte mir (strafrechtlich korrekt) bei einem Schrotthändler sogar mal ein VW-Zeichen, dass ich an einer billigen Plastikgoldkette baumeln lies, bis mich die Lehrer für verrückt hielten und mich in... das gehört jetzt nicht hier her.
Heute höre ich kaum Rapmusik. Habe das letzte Eminem-Album und nur selten kommt mal eine alte Schallplatte aus Rap-Teenagerzeit unter die Nadel.
Nun landete "Instrumental Surgery" bei mir. Ich lies das ziemlich lange neben meiner Stereoanlage liegen, bis ich mir das zum ersten mal anhörte.
Als dann eines Tages der Kaffee durchgelaufen war, die Cornflakes schön aufgeweicht waren und draussen die Sonne schien (es war 14 Uhr früh) fühlte ich mich in der Stimmung, in der Puristen immer gerne so Quatsch wie "Café del Mar"-Sampler hören wollen.
Ich aber hörte jetzt "Instrumental Surgery". Und ich lernte: Hip Hop ist ja nicht nur Hip Hop. Mir kamen diese schlagenden Argumente wieder in den Sinn, die ich mal als 16-jähriger den Metalheads (ich wurde ein Jahr drauf einer von ihnen, aber das ist eine andere Geschichte) an den Kopf schmiss.
"Hip Hop ist Tradition. Da spielt alles mit: Blues, Rock´n´Roll, Funk, Disco!"
Genau, und das hört man auf dieser Platte. Unterschiedlichste Stile werden zu etwas, was man schlecht als ein originärer Stil bezeichnen kann. Hier spielt verdammt viel mit. Und was es mir sympathisch macht ist, dass hier niemand alles zu rappt.
Ein paar Names gedroppt:
Unknown Stuntman, Hawkeye, Mr. Denzel, Waxolutionists, Steve Austeen, uswusf.
Ich kenne keinen von ihnen, aber egal. Deshalb gibt es ja Compilations (->Pop you like a Hurricane).
Das hier ist schön zum hören. Sollte in Cafés laufen, in denen sonst österreichische Downbeat-Recken bis zur Unhörbarkeit auf Repeat laufen. Sollte bei Friseuren laufen, bei denen sonst Antenne Bayern dudelt. Sollte in Schwimmbädern laufen, in denen mir sonst nur der Bademeister via Lautsprecher fünfzehn Minuten Badeverbot erteilt.
Hip Hop mit wenig rumgescratche und ganz ohne Rapperei. (Säm)
 

Gary: The Lonely Cnorve Machine (Jive)

Never be a tourist: das Stadlober-Ego-Ding, das eigentlich keines ist, sondern ein Full Service Band Package mit gewachsenen Strukturen, hat es gleichzeitig doppelt leicht und doppelt schwer. Mit diesem Ballast ins Rennen gegangen, kämpfen Kai, Rasmus und Robert nun gegen Schauspielbonus-Vorurteile und die Kluft zwischen reflexionsfreiem Film-Mädchen-Fantum und erwachsenen Indienerds. Dabei haben anscheinend einige das wichtigste vergessen: die Platte. Und das hören derselben. Und das reden darüber. Luft holen. Dabei muss das feine Stück Rock doch jeder aufsaugen, der in seiner Jugend an Bands wie den Lemonheads, Dinosaur Jr. und Nirvana nicht vorbeikam. Nicht, dass "The Lonely Cnorve Machine" klingt wie ebensolche, aber die Wurzeln sind eindeutig: Ganz dicht drängen sich Rock und Rebellion, Jugend und irgendwie auch Nostalgie. Gary feiern ihre Roots und rocken schamlos drauflos. Als Favorits outen sich "Mondaytuesday" und "The Clay Army". Auf Rotation, wer hätte das gedacht. Wenn Stadlober nun noch aufhört sich ständig blöde verlegen in den Haaren rumzufummeln, dann wird alles gut. (ju*)
 

mina: expander (bungalow)

Ich versuche seit einigen Minuten eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Remix-CDs wirklich sein müssen. Mir fällt, außer vielleicht der Quarks-"Rehmix"-CD, jetzt keine ein, die mich besonders beeindruckt hat. Wobei "Expander" teilweise Remixe und teilweise Coverversionen enthält. Letzteres finde ich schon wesentlich interessanter. Schneider JM zum Beispiel mit seiner schlüpfrigen Bar-Version "Guestpop" oder auch die Sitcom Warriors und Notwists Micha Acher (der das Projekt übrigens angeleiert hat) tun sich hier durch Originalität hervor. Aber die üblichen Mixverdächtigen wie Erobique und Rechenzentrum ziehen das Album in meiner subjektiven Wertung eher nach unten, zu x-beliebig ist das dargebotene. Technoide Remixversionen von technoider Musik, das hatten wir ja alles schon zur Genüge. Mina ließen es sich natürlich nicht nehmen, selbst bei zwei Liedern Hand anzulegen, was sich natürlich wiederum wie Mina anhört. Man ist besser bedient, wenn man sich einfach eines der beiden wirklich guten Mina-Alben kauft. (mawe)
 

jeffrey lewis: the last time i did acid i went insane and other favorites (rough trade)

"If I had a girl on 9th Avenue…" - es gibt nicht viele, die sich solche Zeilen erlauben können. Jeffrey Lewis gehört irgendwie dazu. Der New Yorker Comiczeichner und "Anti-Folk"-Musiker aus Moldy Peaches-Kreisen (er hat auch deren Albumcover gezeichnet) gewinnt mit seinem No-Fi-Charme sofort unser aller Herz. Denn wir sind die Guten. New Yorker Künstlerszene, Lieder, die nicht mal aus drei, sondern nur aus zwei Akkorden bestehen, Sänger, die nicht singen können - da landet unsere Assoziation natürlich sofort bei Warhol, Reed und Konsorten. Wenn Jeffrey mit seinem Laid-back-Slackergesang und lakonisch gezupfter Gitarre den "Chelsea Hotel Oral Sex Song" zum besten gibt, sieht man ihn vor sich, auf einem schmuddeligen Bett liegend, Gitarre auf den Knien, Hinterkopf an die Wand und Kinn an die Brust gedrückt. Und wenn das Backgroundgesang-Frauenstimmen-Falsett "Oooh, Amanda!" zu Billigkeyboardtönen seufzt, weiß man, daß man hier richtig ist. Verlieren als Ausweg. Irgendwie beruhigend, daß es noch solche Platten gibt. (mawe)
 

the electric club: come sing along (supermodern)

entschuldigt mal, aber warum seid ihr bitte so gut? ich hab so was von ner gänsehaut. wann hat man das letzte mal so schönen zweistimmigen gesang gehört? alleine das erste lied "everything's completely new" ist besser als die komplette letzte teenage fanclub-platte. (ich hab sie mir extra nochmal angehört!) das hier ist mein definitiver frühlingsbote. no more say. woa, bin ich hibbelig. (mawe)
 

the robocop kraus: tiger (www.swing-deluxe.de)

als ich die robos zum ersten mal gesehen habe, konnte ich nicht so viel damit anfangen. aber da hatte ich ja noch keine ahnung. beim nächsten mal war ich beeindruckt von ihrer live-show, auf das dritte mal habe ich mich schon gefreut. beim letzten auftritt der nürnberger war ich völlig aus dem häuschen und habe mir die platte (rotes vinyl!) gekauft, die ich jetzt andauernd höre.
hauptsensation der robos ist sicher der gesang, der dem eines robert smith wirlich sehr ähnlich ist, weshalb man sich bei der musik auch an frühe cure-sachen erinnert fühlt. dann noch die wunderbare sixties-farfisa-orgel, und der rest ist rock'n'roll. der auch in zimmerlautstärke an sonntagnachmittagen funktioniert. bewundernswert ist die sehr kommerzfeindliche haltung der robos, sie bringen ihre platten auf eigenem label raus und vertreiben sie nur über mailorders. von mainstream-indie-magazinen wie intro und spex wollen sie auch nichts wissen. dafür touren sie ab und zu durch die staaten. keeping the indie-gedanke alive. so was gibts nicht mehr oft. in vielerlei hinsicht. (mawe)
 

favez: from lausanne, switzerland (stickman)

favez? nicht chavez. hab ich schon mal gehört von, der sänger soll der bruder vom chewy-sänger sein. stimmt, kommen ja auch aus lausanne. die haben mal eine leise-konzept-platte in einer kirche aufgenommen. heißt wohl, daß sie normal lauter sind.
ich leg die cd ein. hilfe?! das ist ein astreiner metal-gitarrensound. aber indie-like gespielt, wenn man so sagen kann. der gesang erinnert wirklich an chewy.
aber mal formalitäten beiseite. zack, bumm, wusch!! das ist unglaublich! so was war mal wieder nötig! rockt dir den kopf weg! ich glaube, wenn ich auf einem ihrer konzerte wäre, hätte ich angst vor körperlichem schaden. (mawe)
 

Luke Slater: alright on top (Mute Records)

Rückblende:
Vor zwei Wochen spielte ein befreundeter DJ und Elektro-Artist im Club eine 80er Jahre-Coverversion im Technomantel. Ich hab direkt danach oder sogar noch währenddessen vergessen, um welchen 80ies Hit es sich handelt. War vielleicht "Such a Shame" oder eben auch "Smalltown Boy".
Eine Freundin erzählte mir, dass das Lied eben von ihm (also dem DJ und Elektro-Frickler) sei. Mir fiel ein, dass sein Labelboss auch gerade eben mit einer 80er Coverversion in den Charts ist.
Wia der Herr so ´as G´scherr!, sagt man bei uns in Bayern.
Meine Meinung war dann aber auch schon im Club die: Der darf so was nicht auch noch machen. Zweimal findet man das lustig. Er ist jetzt aber der Dritte, der im kurzen Abstand so was auf den Markt wirft. Und das geht nicht mehr.
So.

Gegenwart:
Heute Mittag lag in meinem Briefkasten eine CD von Luke Slater. Den Namen hatte ich schon irgendwo mal gehört, hoffte aber auf ein Infoblättchen der Plattenfirma.
Es gab aber keins.
Ich legte die CD ein und hörte.
Aus dem (aus versehen voll aufgedrehtem) Lautsprecher kam eine Grossraumdisco.
Ich war verblüfft und wollte das gleich wieder ausmachen. Schliesslich war ja Mittagszeit und da steht in unserer Hausordnung was von Ruhe. Ich sass aber noch am Tisch und bis ich mich zum Volumeregler aufmachen konnte, war plötzlich schon ein zweites Stück angebrochen. Und zu dem bewegten sich plötzlich auch meine Beine.
Geil, dachte ich, Techno ohne Ironie! Seit wann ist es das denn?
Der meint das mit dem Revival der 80er doch nicht ernst?
Und es hörte sich wirklich so an. Laute Schläge, Synthesizer, von denen bestimmt nur wieder Insider wissen und Gesang. Und ein Bass. Ich hab meinen Bassregler nach links gestellt. Und trotzdem flatterten meine Hosenbeine. Also nicht in echt jetzt, aber so ungefähr klang das. Und ich war mir sofort sicher: Das ist und da kommt keine Wiederaufnahme eines damaligen Hits. Das ist seins. Das hat Flair. Klar, Innovation bleibt unter den Teppich gekehrt, aber was ist das schon, wenn man arschwackelt.
Bleibt nur offen, wie das dann im Langzeittest ausfällt.
Ich hör so was nicht täglich. Dafür bin ich zu schreckhaft.
Und ich bin mir nicht sicher, ob die wahre Grösse des Albums, wenn es sie gibt, auch aus meinen Boxen kommt. Zur Zeit kommt eben die Grossraumdisco da raus. Das ist schön. Jetzt. (Säm)
 

Virginia Jetzt! Mein Sein (Blickpunkt Pop)

Teufelchen: "Los sag´s!"
Engelchen: "Nein, dann tust du denen nur Unrecht..."
Teufelchen: "Feige Sau. Bist kein Mann!"
Engelchen: "..."

DAS IST MÄDCHENMUSIK!

Die haben Charme. Sehr viel sogar. Virginia Jetzt! sah ich zum ersten mal live in Berlin. Da hüpften junge Mädchen in Trainingsjacken auf und ab und freuten sich. Küssten Jungen und sangen Lieder mit.
Als ich mal so 17 Jahre alt war, ging man in Jugendzentren, in denen Heavy Metal lief. Damals schüttelten wir Jungs halb lange Haare und tranken Unmengen an Bier, während die Mädchen hilflos rumstanden und nicht wussten, was sie hier überhaupt sollten. Geküsst wurde gar nicht. Das war den Dorffesten vorbehalten.
Das Virginia Jetzt!-Konzert war auch in einem Jugendzentrum. Diesmal waren aber alle so schick, wie man sich das früher immer erträumt hat und die Musik war eben jetzt passend. Heavy Metal-Revival-Mythos hin oder her.
Das machte mich ein bisschen froh.
Haben wenigstens die was davon.

Die neue Virginia Jetzt-Platte ist jetzt da. Schön, das.
Ich fühle mich nicht zu alt dafür. Nein. Die haben was. Pophymnen (so hiess ja auch ihre letzte Platte) und süsse Lieblingslieder.

Live sind die unschlagbar. Ich war da letzte Woche wieder bei einem ihrer Konzerte. Auf dem Hinweg hat mich die Polizei auf der Autobahn geblitzt. Nicht schön, vor allem bei meiner desaströsen Finanzlage. Trotzdem hab ich mir gleich noch ein T-Shirt von Virginia Jetzt! gekauft. Egal. Das muss man in die Welt raustragen.
Der Auftritt hat Glückshormone gestreut.

Auf der Heimfahrt (bedeutend langsamer) hab ich immer noch deren Lieder gesummt.
Jetzt spiel ich die Platte immer Mädchen vor. Die bemängeln zwar die zu leisen Gitarren, finden das aber sonst spitze. Tragen dabei Sportfreunde Stiller-Shirts und wollen jetzt gegen mein Virginia Jetzt!-Hemd tauschen.
Lass ich mich aber nicht drauf ein.
Sollen selber hingehen. Heuer. Wenn die Band durch die ganze Republik tingelt und Jugendzentren wieder Sinn gibt.
Kleines Fragzeichen bei "Mein Sein":
Ist der Hidden Track eine Notwist-Parodie? Hoffentlich ja. Bitte. (Säm)
 

The Plan. only these movements remain (Rewika Records)

Die schreien und schlagen ihre Instrumente.
So was mag ich, wenn Beziehungen in die Brüche gegangen sind.

1. Phase: The Smiths (Trauer)
2. Phase: The Plan. (Wut)
3. Phase: Blumfeld (Verabreitung)
4. Phase: Throw that Beat in the Garbagecan (sich selber vormachen, es sei jetzt besser)

The Plan, kann man wohl sagen, sind so was wie At the Drive-In. Emo-Core heisst das auch immer hinter vorgehaltener Hand. Die so was machen, hören das dann gar nicht gerne.
Egal.
Kommt bestimmt wieder die Zeit, wo ich so was hören muss.
Rockt wie nichts Gutes. Eben. Wie gesagt. (Säm)
 

bazooka cain: here come the days of... (apricot)

Neulich an der Käsetheke.

Linus Volkmann: "Während ich mir mühsam irgendeine easy Attitüde reinzuknüppeln suche, um überhaupt in Startstimmung für die Platte zu kommen, überlege ich, ob das Debüt "Viele Grüße" 97 noch besser in seine Zeit passte."

Mawe: "Vielleicht auch einfach besser in die Jahreszeit. Oder in eine gute Zeit. Stimmt schon, wenn man sich gerade einen Dokumentarfilm über das litauisch-russische Grenzgebiet angesehen hat, klingt das nach schwer erträglichen Happyhappysingsang. Aber was war denn vor 5 Jahren anders? Und ich meine nicht weltpolitisch. Oder hat das Auswirkungen auf das Abklingen des x-ten Easy-Listening-Revivals?"

L: "Achtung Poesie: Revival leben ja davon, dass sie nicht lange leben. Und vor fünf Jahren lebte ich noch in der Gosse. Dem gar keine Rechnung zu tragen, wie Bazooka Cain, ist natürlich schön stolz oder so Schamoni-mäßig, dass man sagen könnte, 'er macht halt sein eigenes Ding'. Aber das klingt bei dieser Platte hier genauso unglaubwürdig und langweilig wie das Bejammern 'der deutschen Schubladenmentalität'. Will sagen: Dieses übergeschnappt geschmackvolle Typendandytum läuft doch ins Leere. Ihr macht doch auch mehr in understatement."

M: "Wen meinst du jetzt mit "ihr"? Wir jungen Leute? Klar, wir lebten natürlich vor 5 Jahren noch bei Muttern und sehnten uns nach etwas Gossen-Glam. Aber zur Sache: Vielleicht hat man nach dieser ganzen Popautoren-Tristesse jetzt erstmal die Schnauze voll von Typen, die sich geben wie der pedantische Deutschlehrer, den man früher gehaßt hat. Vielleicht liegts auch einfach nur daran, daß Bazooka Cain keine Frauen sind wie etwa die Moulinettes. Obwohl da natürlich zumindest bei dir deine homoerotische Ader dagegenspricht."

L: "Genau. Die Moulinettes nerven mich mit dieser overdresseten Spaßighaftgkeit. Da finde ich wirklich Pedanterie geiler und muss mich sogar an Zeit-Überschriften von vor Jahren halten, die das Ende der Ironie beschworen. Kann ich kaum abwarten. Deshalb geht auch diese Platte hier nicht mehr an mich. Time to say goodbye. Ich weiß zu schätzen, was du und die Band geleistet haben. Aber ich bin raus. Letztes Wort ist deins. Bitte geh unheimlich akribisch auf einzelne Songs ein."

M: "Die eine von den Moulinettes war neulich ganz rot angezogen. Das fand ich gut. Vielleicht solltest du dich an Heavy Metal halten - die einzige noch unironische Populärkultur.
Ich kann mich diesem gespieltem Charme der Bourgeoisie jedenfall nicht ganz entziehen. Was möchte schon noch echt sein? Auch wenn so komisch gemeinte und doch biedere Songtitel wie "Fürst-Pückler-Art" mir ein bißchen zu sehr nach wenig erstrebenswerten Großtantenwohnzimmern muffeln."

 

the microphones: "the glow" part 2 (k records)

doppelwow. was gibt es da wieder für eine großarige band, von der ich noch nichts gehört habe? insgesamt sehr ruhig, aber auch lärmige stellen. sehr abwechslungsreich. manche lieder erinnern an alte sachen von notwist, manche an godspeed y.b.e. und andere stellen sogar an den bombastischen minimalismus von phil glass' "koyaanisqatsi". zweistimmiger male-femaliger, schön schiefer gesang. ganz fantastische platte.
(mawe)
 

hometrainer: take my hand (12", payola)

bei payola rührt sie wieder was. und das ist gut so. hometrainer aka michael schwaiger, teil der kongenialen console-band sowie ultrachall-dj, vereinigt beide tätigkeiten perfekt in seiner musik. was dabei rauskommt, ist höchst tanzbarer und zugleich ohrwurmiger elektropop, natürlich sehr 80s mit digital verfremdeten vocals à la, nun ja, console eben. neben dem titeltrack außerdem das fast noch bessere "it's save in hell and i can drink bears" sowie 2 remixe, einer davon von rumpeln.
(mawe)
 

giardini di mirò: rise and fall of academic drifting (homesleep)

Der Sonntagnachmittag geht allmählich zur Neige. Kein besonders großartiger Tag. Aber was will man schon von einem Sonntag, den 6. Januar erwarten. Ich lege diese CD ein, die ich noch besprechen soll, während ich überlege, ob ich Tee oder Wein trinken soll. Die CD sieht schön aus. Ein Foto von einer Frau in Orange. Das melancholische Orange. Und komischerweise scheint mich die Musik, die darauf ist, darauf zu verstehen. Oder verstehe ich die Musik? Vielleicht ist sie auch an einem Sonntagnachmittag geschrieben worden. In Bologna? Das sitzt das Label. Schwer vorzustellen, daß da solche Musik entstehen kann. Aber natürlich und zum Glück gibt es auch in Italien traurige Menschen.
Diese Platte schafft es, mir Gänsehaut zu machen, und das an einem solchen Tag. Ich weiß auch gar nicht, wann Musik das zum letzten mal geschafft hat.
Gezupfte Gitarren, Geigen, Trompeten, Melodica, verzerrte Gitarren, sehr wenig Gesang. Lange mußte ich überlegen, an was mich das so verdammt erinnert. Dann wußte ich es: Mogwai. Insbesondere die Platte "Young Team". Genau. Giardini Di Mirò sind die italienischen Mogwai. Zwar mit nicht so brachialen leise-laut-Wechseln, eher leise-mittellaut, aber genauso herzzerreißend. Mit wunderschönen Harmonien. Die einem diese wohlige, angenehme Traurigkeit geben, die man manchmal braucht. Von der man gar nichts erwartet. Genau wie von diesem Sonntag.
(mawe)
 

plus ganzwind (www.schinderwies-productions.de)

Plus Ganzwind, was für ein seltsamer Name. hört sich schwer nach kompliziertem Postrock an. Und wenn mir mal jemand erklären würde, was Postrock ist, könnte ich auch sagen, ob das stimmt. Wenn Postrock Dekonstruktion bedeutet, vielleicht. Plus Ganzwind ist Instrumentalmusik aus Gitarrebassschlagzeug und ein bißchen Synthesizer, die auf Albumlänge (im Inlay angegeben als "Gesamtspieldauer: recht lang") nicht einmal langweilig wird. Das schaffen sonst nur Couch. Und Contriva, wenn sie nicht singen. Deshalb sind beide Bands auch ein guter Vergleich.
Plus Ganzwind kommen aus dem bayerischen Straubing und heißen eigentlich gar nicht so. Bzw. sie nennen sich bei jeder Veröffentlichung anders. Vorher hießen sie z.B. Ranger. Sie sind Anfang 20 und man erzählt sich, daß sie bandinterne Wettbewerbe veranstalten, in der Art: "Ich hab hier ein Riff aufgeschrieben, das mir gerade eingefallen ist. Wetten, daß du das in 7 Minuten nicht spielen kannst?"
Sonst gibt es eigentlich nur zu sagen, daß ich mir die CD auf einer langen Autofahrt durch den Winter angehört habe und gar nicht mehr gemerkt habe, wie die Zeit vergeht, so sehr bin ich in der Musik versunken. Und daß ich danach ganz aufgeregt war. Weil ich das Gefühl hatte, etwas verdammt großartiges entdeckt zu haben.
(mawe)
 

sternbuschweg: o.w. (www.sternbuschweg.de)

Sternbuschweg gefällt mir im Moment am besten von den ganzen sogenannten "Berliner Schule"-Bands. Auch ihr Konzept: Sie veröffentlichen selbstgebrannte 4-Track-CDs mit Corporate Design. Auf der ersten war ein Lied mit dem großartigen Titel "Der übermäßige Konsum von Platten aus Manchester unterdrückt meine Kreativität". Hier jetzt ein nicht minder auf T-Shirts druckbarer Titel: "Ich verbringe meine Geburtstage in einer Mülltonne, warum". Musik, die glücklich macht. Und Sätze wie "Julia, ich spring vom Dach, drum küss mich auf dem Pflaster wach" gibt es viel zu selten in der hiesigen Musiklandschaft. Ich denke allmählich an den Frühling. Am ersten warmen Tag werde ich diese CD einlegen. Ich freu mich schon drauf.
(mawe)
 

The Notwist: Neon Golden (city slang/big store/labels/virgin)

Das erste Mal durfte ich diese Platte in Berlin hören. Nach einem Konzert fuhr uns Miles-Manager Sigi in seinem Kombi durch die nächtliche Stadt. Im CD-Player "Neon Golden" auf voller Lautstärke und eine euphorische Crowd auf Fahrer- und Beifahrersitz.
Da funktionierte das. Da waren Notwist angebracht. Die Lieder? Ähnlich wie auf "Shrink" und durchweg aufwendig produziert.
Da ging das.
Zwei Tage darauf dann wieder daheim, hörte ich alte Notwist-Platten. Auch noch die Vorab-Maxi "Trashing Days". Und von da an wurde ich skeptisch. Rannte zu den Leuten, die es (mehr oder weniger) interessierte und sprach vom neuen Album. Das ich es schon hören durfte, darauf verdammt stolz sei und dass es gemischte Gefühle hinterlassen hatte.
Weil, ja weil ich die Gitarren vermisste. Die Wut nicht fand, die frühe Alben hatten. Und auch die fantastischen Spannungsbögen vermisste.
Notwist machten Pop! Und dafür gab es doch andere Helden. Notwist sollten doch laut da sein, wenn nix da ist. Wenn man zuhören wollte. Wenn man beim zehnten Mal hören, wieder was neues entdecken will. Ich hatte diese Platte ja erst einmal gehört und schon alles rausgezogen. Oder?

Heute kam ich nach Hause und fand "Neon Golden" in meinem Briefkasten. Besser gesagt, ich fand ein Päckchen von Labels Germany und wusste sofort, was drin sei.
Und: Ich war wieder nervös.
Die zweite Vorab-Maxi "Pilot" hatte ich drei Tage vorher ungehört gekauft und war in etwa wieder so enttäuscht, als an dem Tag, an dem ich das erste Hören in Berlin verarbeitet hatte.
Und jetzt freute ich mich auf einen Nachmittag, an dem ich Zeit hatte, das komplette Album zu hören und wieder neu entscheiden zu dürfen.
Inzwischen läuft die Kassette (die Promomenschen wussten wohl, dass Freunde Schlange stehen würden, um die CD gebrannt zu bekommen) zum vierten mal nacheinander.
Ich habe mir noch nicht einmal die Liedernamen angesehen. Sitze nur da und starre auf die Boxen. Gerade Lied Nummer zwei auf der B-Seite (ich sehe nach: "one with the freaks"). Dazu wird man in Discos tanzen. Gitarren (sonst auf dem Album eher spärlich verwendet) ein eingängiger Refrain und eine verträumte Keyboardbegleitung seitens Herrn Console. Unter den beiden schnelleren Stücken des Albums (also im Vergleich zu "Pilot") der eindeutige Gewinner.
Dann viele langsame ruhige Stücke, auf denen ja doch genügend versteckt ist, um langfristig zu gefallen. Sphärische und verträumte Lieblingslieder.
Da Info klärt mich auf, dass doch Gitarren verwendet wurden. Nicht elektrische (so wie ich es kenne und meinte), sondern Banjos (File under diesem einen Travis-Hit) und Dobro-Bluesgitarren (Western??). Die habens schon drauf, die Oberbayern. Kennen Instrumente, die ich in vier Jahren Gitarrenschule nie zu Gesicht bekommen habe. Und das macht eben Notwist aus. Die Überraschungen. Haben sie sich doch in zwölf Jahren Bandgeschichte völlig verändert und sich nach allen zwei Alben immer wieder völlig neu definiert.
Dieses Album steht jetzt wieder nah am letzten ("Shrink"). Bin gespannt, was in ein paar Jahren ist. Wie viel Einfluss Martin Gretschmann hat, wird hier wieder deutlich, wenn man die vielen und genial ausgewählten kleinen Plieps und Plonks in den Liedern hört. Notwist ohne ihn nicht mehr vorstellbar? Wohl widerwillig, da das Gerücht umgeht, dass der Elektriker auf Tour nicht dabei sein wird, um sein eigenes neues Album fertigzustellen.

Zusammenfassung:
Notwist überzeugen mit "Neon Golden". Wenn auch alte Härte vermisst wird. Von Stromgitarren hin zu Stromüberfluss, wenn die perfekte Zusammenarbeit von Band (Melodien, Überlegenheit und vor allem Können) sich vermischt mit aufwendiger Produktion (wie immer Mario Thaler und Olaf Opal) und deutlichem Hang zu Samples aus Martin Gretschmanns Feder.
Wenn Popmusik, dann schon so was.
(säm)
 

beigeGT: jukebox heroes (l'age d'or)

"Hang the DJ! Hang the DJ! Hang the DJ!" (The Smiths, "Panic")

"Marie kommt kurz darauf in den Laden. Wir sind alle drei da. Ich spiele gerade ihr Tape, und als ich sie eintreten sehe, versuche ich es rasch auszumachen, ehe sie es bemerkt, aber ich bin nicht schnell genug, darum mache ich es genau in dem Moment aus, als sie anfängt, darüber zu reden, drehe es wieder lauter und werde rot." (Nick Hornby, "High Fidelity")

Jetzt soll also ich die Platte von Beige GT besprechen.
Wo ich ihnen doch gerade wieder über den Weg gelaufen bin. Allen Fünfen in den letzten 24 Stunden. An unterschiedlichen Orten. Immer im Nachtleben. In unserer kleinen Stadt. Wenn ich jetzt was verreisse, reissen die mir den Arsch auf. Sind ja schliesslich mehr als ich. Und wenn ich alles lobe, denkt nur alles an Schleimerei und, hey, "für den springen aber jetzt bestimmt`n paar Gästelistenplätze mehr raus".
So also "Jukebox Heroes".
Im Ernst verehre ich Beige GT. Schliesslich machten sie tollen Indie-Rock, als ich auf tollen Indie-Rock stand. Schliesslich machten ein paar von ihnen Technomusik, als ich das dann gut fand, ohne es überhaupt je zu verstehen.
Überhaupt verstehen.
Hatte ich doch diese CD, die sie mal vor zwei Jahren brannten, mit im Proberaum aufgenommenen Liedern, die allesamt unglaublich gut waren und live begeistert aufgenommen wurden, in meinem Besitz. Mochte die Lieder und dachte immer, dass das jetzt auch das Debut-Album wird. Ausgeschmiert.
Natürlich lernt man auch und vor allem in Regensburg dazu und ist man doch in vorderster Front, wenn der Trend wieder mal sagt:
"Da kannst du mit GitarreSchlagzeugBass allein eh nicht mehr landen!"
Da muss mehr her. Moog zum Beispiel. Insgesamt mehr Elektronik. So frickelte man die alten Songs, bekannt von Live-Spielerei, neu zusammen, schrieb neue Songs im Prinzip "wie alte Songs, nur mit- eben- Elektrofricklerei und ein bisschen Tanzboden hier und ein bisschen Rockgitarre mehr da" und bekam:
"Jukebox Heroes"
Jetzt echt:
Als ich die Platte bekommen habe, war ich anfangs enttäuscht, weil ich ja doch der klassische Indierocker bin und von so viel Produziererei ja von Zeiten aus nix halte.
Nach zwei, drei Höreinheiten dann, wurde ich doch aufmerksam auf die neuen Dinge, die ich in den Liedern entdeckte. Schliesslich wurde ich dann eben überzeugt und verehre jetzt auch diese Produktionen, die saulang dauern, sauvie kosten, aber genau das aus den Songs herausholen, was eine Platte immer im Regal in Reichweite stehen lässt:
Die Fähigkeit, zu Überraschen. Mit immer neuen Gimmicks und Melodien, die von irgendwo auftauchen, dann verschwinden und dann plötzlich morgens beim Zähneputzen wieder da sind. Einen überlegen lassen, wo das jetzt herkommt.
Zu 80 % von Beige GT. Im Augenblick.
Und so summt schon wieder "Funghi Pudel" rum und, ach, die sind ja alle so nett. Und Regensburg überhaupt. Ach wenn es das nicht gäbe. Das Nachtleben hier. Ach. Die Donau. Und...wie soll ich im Ernst diese Platte und Band kritisieren. Nimmt mir doch keiner hier ab.
(Säm)
 

savoy grand: survivor EP (glitterhouse)

savoy grand aus england, die mit "dirty pillows" für mich die beste platte dieses jahres gemacht haben und deren konzert in köln eins der wunderschönsten war, die ich je gesehen habe, präsentieren hier vier neue lieder. daß die ebenso groß sind, brauche ich ja nicht erwähnen. ich weiß nicht, ob savoy grand die langsamste band der welt ist, aber low machen dagegen speed-metal. "from the forthcoming album 'burn the furniture'" steht da drauf und ich hoffe, mit selbigem den winter verbringen zu können.
(mawe)
 

console: live at centre pompidou (payola)

nach der auf 550 exemlare limitierten "a+a=b"-maxi, die es nur auf vinyl und mit ohne cover gibt und die wieder einen riesenhit enthält, wenn auch etwas dezenter als die bombaststücke "14, zero zero" und "freiburg", kommt mit dem hinweis, daß ein neues studioalbum erst im sommer 2002 zu erwarten ist, diese minimalistische weiße live-CD. die console band gab nämlich im februar dieses jahres ein livekonzert im pariser centre pompidou, das in hervorragender qualität mitgeschnitten wurde. ähnlich wie bei "electric avenue tapes" vom tied & tickled trio könnte das ganze auch eine studioaufnahme sein, nur daß im studio wohl so ausufernde improvisationen und variationen der eigenen stücke, so ein absorbiert-werden von der musik, ein flow, sagt man, nicht passieren können. die stücke sind zwischen 5 und knapp 9 minuten lang, es ist ein besonderes konzert in einer besonderen umgebung, es ist ein ambient-set. möglicherweise sind stücke aus dem ersten console-album dabei, das ich nicht habe, aber bis auf ein, zwei stücke, die mir von anderen console-konzerten bekannt vorkommen, kenne ich keins. die console sagt "quiet is the new loud" und beschert dem geneigten schöngeist eine wundervolle knappe stunde voller interessanter geräusche.
(mawe)
 

samba: komando (blickpunkt pop)

die vierte ist da. ich sollte dafür das offizielle info schreiben, die jungs wollten es aber nicht und ich habs gleich mal gelöscht. hab ich ihre musik mißverstanden? die musik vielleicht nicht, aber möglicherweise die texte. scheinbar nimmt knut seine texte wichtiger als ich das tat. es geht womöglich um liebe. was ich bei den samba-texten bemerkenswert finde, ist, daß man, obwohl in deutsch gesungen wird, dennoch manchmal nichts versteht, sowohl vom sinn her als auch rein akustisch. das liegt paradoxerweise auch daran, daß knut sich solche mühe mit den texten gibt. zitat knut: "Wenn ich eine Refrainzeile hätte, die mit fünf Worten eine sinngebende Erklärung für die Menschheit an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend findet, würde ich sie trotzdem bedenkenlos wegschmeißen, wenn sie nicht klingt." deshalb werden sätze umgebaut, wörter verschoben und unorthodoxe konstrukte gebildet. am ende hat man einen popsong, bei dem man nicht unbedingt auf den text zu achten braucht, der aber trotzdem ohne seinen text nichts wäre.
samba sind ruhiger geworden seit den sony-tagen, manche sagen auch belangloser, aber man darf belanglosigkeit nicht mit dazu-kann-man-ja-nicht-tanzen verwechseln. man braucht eben mehr zeit. und dann findet man auch hier hits, wie "common pullover" oder "fing feuer".
"alles ist gut so, wie es ist.", schrieb ich in dem gestorbenem info. natürlich nur in bezug auf sambas musik. "nichts soll bleiben, wie es ist!", entgegnete knut daraufhin.
(mawe)
 

luc tonnerre: dezemberdenken (luc-tonnerre@pop-drei.de)

vier mädchen und ein junge aus köln haben hier ein nettes kleines demo gemacht. mit dabei anoraque, von der die tollen illustrationen im pitti platsch #7 stammen, und silvia von mikrofisch. gesungen wird in deutsch und französisch, und wer jetzt am stereo total denkt, hat gar nicht mal so unrecht. ebenso charmant stolpert die band durch ihre lieder, nur mit lauter "echten" instrumenten. mit schrammelgitarre und wundervoller orgel. das macht spaß und es gibt sogar einen echten hit (das titelstück), das einem den ganzen tag im kopf drinbleibt.
(mawe)
 

sport: these rooms are made for waiting (fidel bastro)

ich glaube, die deutsche popkultur hat auf diese platte gewartet. mindestens 5 jahre lang. so lange gibt es sport schon in hamburg, und das ist ihr erstes album. am gesang übrigens kante-gitarre felix müller. sport schaffen es auf großartige weise, musik und texte ineinander zu verweben, wobei weder das eine noch das andere dominiert. texte zum tanzen, musik zum nachdenken. es ist schön, den worten zuzuhören und sich seine eigene geschichte daraus zu erfinden. es geht um wartezimmer im übertragenen sinn, um nischen, langweile, ruhe, reinkommen, ausbrechen, hier sein und dort sein wollen. eine art konzeptalbum. mit furchtbar lauten gitarren und sätzen, bei denen man endlich mal wieder gänsehaut bekommt.
"mein kaugummi hat lang schon den geschmack verloren, doch ich behalte es trotzdem weiter im mund, denn es ist immer gut irgendwas zu tun zu haben"
(mawe)
 

seaside stars: the magic of stereo (firestation tower records)

zwei menschen aus der nordostoberpfälzer provinz machen großartige popmusik, kriegen dort natürlicherweise kein bein auf den boden, ziehen zu recht nach berlin und münchen und bekommen dort die aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. deshalb gibt es jetzt ein album der seaside stars im adretten pappschuber. drin ist nichts genuin neues - aber sechs platten von einer lieblingsband sind immer besser als fünf, und drei bands, die wie teenage fanclub klingen, sind immer besser als zwei. zumal besagte schotten, offensichtlich großer einfluß für die seaside stars, hierzulande nicht allzu oft live zu bewundern sind. seadside stars bilden also zusammen mit subterfuge den deutschen ausgleich für dieses manko, und das ist gut so. wer wird so sympathische musik für schlecht halten? nur schlechte menschen, genau.
(mawe)
 

Stereo Total: Musique Automatique (Bungalow)

Zeitweise meine Lieblingsband, dann aber schmerzlich vermisst und jetzt wieder da.
Stereo Total, brauch ich die noch?
Da gab es wunderschöne Konzerte: Wilde Bühnenshow von Madame Cactus und Herrn Göring samt Mitmusikern, die aussahen, als kämen sie als französische Austauschschüler völlig hilflos, aber sympatisch, auf die Bühne, um ihren letzten Ferientag zu feiern.
Dann war hierzulande eineinhalb Jahre Pause hier für Tourneen in der grossen weiten Welt. Fan-Pause für mich und etwas Nervosität, als wieder ein Konzert näher kam.
Brezel Göring, wie immer Belmondo-esque an der Elektronik und Francoise charmant und betont unbeholfen an Schlagzeug und Mikrophon. Die Mitmusiker haben die Band verlassen und spielen teilweise (San Reimo) in der Vorband (Jeans Team) mit.
Das Überraschende des Abends: Die beiden können immer noch augenzwinkernd 60ies Beat mit Chanson mit Ausdruckstanz mit Minimalelektronik kreuzen, als wäre die Bühne ein alter Dachboden, auf dem man rumkramt, um nach alten Spielsachen und Transistorradios stöbern. Vor allem: Die neuen Songs. Gefallen perfekt.
Wir tanzen im Viereck.
Nun also das fünfte Ablum "Musique Automatique" samt altbewährten (siehe oben) und duften Neuheiten.
Die wahrscheinlich grössten Songs der Band überhaupt mit "L´amour á 3", "Für immer 16" und "Nationale 7" ( mir fällt beim durchlesen gerade auf, dass alle diese Songs mit Zahlen zu tun haben) und aber auch, trau es mich gar nicht sagen, Füllern.
Eben die scheinen ohne den tollsten und wichtigsten Mitstreiter der Band, nämlich Dilletantismus, aufgenommen zu sein.
Grund hierfür wohl: Es wurde dieses mal "richtig produziert" und zwar von Cem Oral aka Jammin Unit von den Kölnern Air Liquide.
Professionelles Herangehen hier als Ladehemmung bei den, you know, ruhigen Stücken, aber auch professionelles Arbeiten, im Sinne von wunderbare-Samples-finden, bei den, jetzt kommts, Hits.
Zweischneidiges Schwert, also.
Zum einen bin ich hin und weg von gut der Hälfte der Stücke. Zum anderen flottes Weiterzappen bei Durchschnittlichen wie "Les chansons d´o" und "Adieu adieu".
Ach ja: Coverversionen gibt es auch diesmal wieder und Francoise tut diesmal auch auf türkisch singen.
Live bestimmt wieder besser.
(Säm)
 

Gwenmars: Driving a Million (PIAS)

Jedes Jahr, wenn ich vom Lowlands-Festival heimgekommen bin, höre ich tolle neue Bands und könnte mir in den Arsch beissen, dass die dort auch gespielt haben, ohne dass ich es mitbekommen habe. Bei über hundert Bands in drei Tagen ist es eben unmöglich auch mal Unbekannten eine Chance zu geben. Heuer hab ich lieber dabei zugesehen, wie Prodigy scheitern oder Placebo aus zweihundert Metern Entfernung aussehen.
Gwenmars hätten dieses Jahr auch gespielt. Nun gut, die Chance hab ich verpasst.
"Driving a Million" hab ich zuerst als das neue Ding in Sachen Britpop eingeordnet. Dann davon erfahren, dass Gwenmars ja aus Los Angeles kommen und früher mal Grunge gespielt haben. Ist auch nicht von der Hand zu weissen, während ich mir das mal von der Seite aus anhöre.
Glamrock höre ich auch raus. Und den Schmutz der Strasse. Den Schmutz eben, den man mit langwierigen hin- und herproduzieren erreicht. "Hier hast du ein paar Popsongs. Lass die mal dreckig klingen." "Okay, dauert aber und kostet."
Schmutzig klingen, das tun sie nun. "She hung the Moon" ist eine der schönsten Balladen des Jahres. "Venus" hat das rotzige, dass einst Babes in Toyland oder Mudhoney ausmachte.
Wie ich auf Britpop kam? Frag ich mich jetzt plötzlich auch. Ich höre ein bisschen Dandy Warhols. Auch Ash. Die klingen aber auch amerikanisch. Wie denn nun?
Euphorie ist ein Argument. Überschwang des Jungseins und was verändern wollen. Das höre ich hier raus.
Gwenmars sind bestimmt noch ganz jung und glauben an das Gute in der Rockmusik. Sollen sie.
(Säm)
 

Howie Beck: Hollow (Easy Tiger/Labels)

Wunderbares Album, dass da hereingeflattert kam. Eins von denen, die man anfangs wenig beachtet und dann doch in regelmässigen Abständen in dem Player schiebt, weil man sich ja doch nach so was sehnt. Ruhige, melancholische Songs mit Tiefe und Eigenproduktions-Charme.
Howie Beck ist Kanadier und schreibt und spielt seine Songs ganz alleine. Sounds like Eigenbrötlertum und ist es vielleicht auch. Aber solche Songs entstehen eben nur, wenn man traurig nachts im Bett liegt und zur Decke starrt. Genau dann fallen einem solche Melodien ein, genau dann will man so was hören.
(Säm)
 

For Stars: We Are All Beautiful People (Munich Records)

Und selten, ganz selten kommt es vor, daß man von einer relativ unbekannten Band hört und davon sofort so begeistert ist, diese so großartig findet, daß man es allen erzählt, es in die Stadt hinausschreit, allen diese Musik zeigen will, sich selbst zum Missionar für das Gute ernennt, die betreffende Platte in seinem privaten Musik-Mikrokosmos auf einen Rang mit altbewährten Helden erhebt und sich von da an nur noch wundert, daß nicht jeder diese Musik hört, daß sie nicht im Radio läuft und die Welt zu einer besseren macht.
"We are all beautiful people" ist bereits das dritte Album der San Franciscoer For Stars, allerdings sind die ersten beiden aufgrund des in Holland ansässigen Labels Munich Records bislang nur in den Beneluxländern erhältlich. Ein klares Singer/Songwriter-Album, das durch den Produzenten John Croslin (Pavement, Guided by Voices) zu einer regelrechten Pop-Bombe gemacht wurde. Keinesfalls überladen allerdings, so daß zwischen den lauten Tönen noch Platz bleibt für die ganz großen Gefühle. Die Red House Painters und The Divine Comedy als Enden der Parabel. For Stars vereinigen außergewöhnlich schöne Melodien, große Gesten und die seltene Fähigkeit, genau in den schmalen Spalt zwischen Überschwang und Melancholie zu treffen, und damit - man denke an Luke Skywalkers zerstörerischen Anflug auf das Herz des Todessterns - ist es ihnen ein leichtes, auch den Hörer mitten ins Herz zu treffen und dort gewaltige Energien freizusetzen. Dazu Dogmen wie "We are only fools because we think we're fools" und fertig ist für mich definitiv eine der besten Platten des Jahres. Im Oktober erstmals zu bewundern auf hiesigen Bühnen.
(mawe)
 

100 Pets: Easter Songs (CD: Rewika, LP: Pickled Egg)

Aus dem Hause Rewika, einer Bastion des guten Geschmacks, gibt es schönes zu Ostern, und das mitten im Sommer - diesmal von der Insel, Südküste genau, aus einem kleinen Ort namens Peacehaven. Dort wohnt Sam Dook in einem noch kleineren Wohnwagen und komponiert traurige Lieder auf seiner Wandergitarre. Zu niedlich, das Bild? Das ist die Wahrheit. Nun ja, er hat wohl freilich nicht immer in dem Wohnwagen gewohnt, im Winter ist es ja kalt und er hat bestimmt keine Heizung. In unseren vor Fantasie sprudelnden Kindsköpfen verläßt er also im Herbst seinen Wohnwagen - frierend, aber mit einer Handvoll Zettel, auf denen mit krakeliger Schrift die ersten Lieder von 100 Pets notiert sind. Er trommelt ein Paar Leute zusammen, die Schlagzeug, Keyboard und Cello spielen können, und packt seine wunderbaren, leisen Melodien in warme Kleider, denn der Winter an der englischen Küste ist kalt. Schön präzise das alles, zerbrechlich, einsam und endlos traurig. So daß man beim Anblick der bemitleidenswerten Plüschtieraußerirdischen auf dem Cover gleich in Tränen ausbrechen muß. Wie es wohl meinem Lieblingsteddy jetzt geht?
(mawe)
 

Dirty Monsoon: I Feel The Sunlight, And It Feels Good (michifra@hotmail.com)

Oh, wie angenehm. Zwei Münchner Freunde machen hier in Daheim-Aufnehmen, und das fühlt sich - wie wissen die das? -genauso an wie ich mich gerade. "I want some c-o-f-f-e-e, while the rain is pouring down" - abgesehen davon, dass es mehr Lieder mit Wortbuchstabierungen geben sollte, müsste es mehr oder am besten nur noch Lieder mit solchen Texten geben. Regnerischer-Nachmittag-Musik, rough as hell mit Rauschen, Klappern und Seufzen. Cowboy-like spielen diese Jungs ein Lied mit ihren Akustikgitarren (mein Gott, ist das vielleicht sogar eine mit Nylonsaiten?) und im Hintergrund scheppert irgendwas, das vielleicht ein Schlagzeug sein könnte, oder ein auf dem Sperrmüll gefundener Drumcomputer. Jaja, die gute alte Zeit. Damals, als die Drumcomputer wirklich noch Schlagzeugsounds machten. Am Küchentisch lungert unsichtbar rum: der Hl. Evan, Schutzpatron der Songwriter. "Karaoke of My Heart" darf sich ein Lied freuen zu heißen, und ein anderes "Anyone Can Sing a Song". Die Joseph Beuyse des Homerecording.
17 Lieder sind da drauf, und die dauern insgesamt eine wundervolle halbe Stunde. Wenn das "Best of Dirty Monsoon" ist, dann möchte ich bitte auch noch "Rest of..." hören. Vorgeschlagener Titel: "I Feel The Sunlight, But The Sunlight Doesn't Feel Me".
(mawe)
 

sitcom warriors 7" (ran@ag-parka.de)

trash-rock'n'roll aus berlin, produziert von schneiderTM. cool und sexy und mit mehreren augenzwinkern. pop tarts beim pizza-essen mit mark e. smith. leute, die auf partys mit abgeklärtem grinsen in der ecke stehen und fünf minuten später auf dem küchentisch stehen und luftgitarre spielen. geile scheisse, mädchen.
(mawe)
 

jean-michel: sixpack
&
nothingface: ultraboutique (eleganz rec.)


zwei vinyls im schicken partnerlook, die eine grün und die andere orange. jean-michel covert (bei dieser musik sagt man glaube ich remixt) hier unter anderem zwei stücke von chekov und blackmail. nun würde ich mich im allgemeinen nicht gerade vordrängeln, wenn es gelte, eine (im weitesten sinne) "dance"-platte zu besprechen, aber diese art elektronischer musik höre ich gerne. weil sie eher melancholisch ist. nicht so supersphärisch wie die von mir quasi abonnierten veröffentlichungen von morr music, aber mit viel, viel gebrizzel. ab und zu noch ein achtziger-bass, dann könnte man auch tanzen drauf. dann höre ich es aber zuhause auch nur an, wenn ich gerade kurz vorm ausgehen bin.
wie schon optisch angedeutet, schlägt nothingface musikalisch in die gleiche bresche. finde ich jetzt allerdings etwas langweiliger. sehr minimalistisch mit c64-soundalikes, ruhiger und schon sphärisch, aber nicht derart, daß es mich fesselt. da passiert nichts. wenn mans nicht zu laut hört, störts nicht weiter.
(mawe)
 

Maximilian Hecker: Infinite Love Songs (Kitty Yo)

Jeden Monat wieder. Die Musikpresse lobt hoch, was das Zeug hält. Wer hat eine neue Platte, die noch besser ist, als die vorangegangene? Oder noch besser: Wen kennt noch niemand, soll aber jetzt jeder kennen?
Die musikbegeisterte Masse geht hin und kauft. Blind. Ich vorne weg!
Bis dann eben mal doch eine Platte vorgehört wurde. Alle sprachen von ihr und ich war mal wieder in Geldnot. The Strokes. So ging ich hin zum Schalter, hörte sie mir an und fand sie, ja, gar nicht so toll. Ersparte dem Silberling bzw. der Vinylscheibe ein langweiliges Fristen im hintersten Fach des Plattenschranks, wo doch schon so viele titelseitenfüllende Bands gelandet sind, die beim zweiten Hören dann doch nicht das nächste grosse Ding waren.
Diesen Monat also Maximilian Hecker. Sehe ihn in der Zeitschrift und blicke demonstrativ weg. Soll doch sparen.
Einen Tag später landet die CD dann im Postkasten. Für umsonst.
So begann also eine neue Liebe, gelinde ausgedrückt. Wäre fast am Kauf eines neuen Fernsehers gescheitert, wenn sie mir nicht Kitty Yo doch noch geschickt hätte.
So landete Infinite Love Songs also in der Stereoanlage und verbringt seitdem dort Tag und Nacht. Und wenn es wieder Morgen wird, sehe ich durchs Fenster den ersten Herbstnebel und freue mich, dass ja diese Platte bei mir ist. Und genau das von sich gibt, was eben jetzt passt.
Im Sommer, Mann, da war die Melancholie dahingewichen. Brauchte weder Sigur Rós noch Radiohead. Ab und an die Smiths, die gehen immer.
Jetzt ist aber Herbst und jetzt braucht man wieder Herbst-Platten. Wie die hier.
Was, ich soll jetzt endlich was zur Musik schreiben?
Mann, ich sitz hier alleine daheim. Draussen regnet es, hier drinnen läuft Maximilian Hecker und alles passt.
Musik- alleine macht er die eben. So mit GitarreSchlagzeugBass und eben Keyboards. Dazu seine glockenhelle Stimme, die eben an Melancholie-Pächter wie Sigur Rós erinnert. Nur eben in Englisch. Verständlich und todtraurig. Grundstimmung siehe Smiths.
So will ich weiterhin nicht den neugekauften Fernseher anschalten, weil die Musik gerade so schön ist. So schön, wie seit dem Zeitpunkt, wo ich Infinite Love Songs zum ersten mal hörte.
Beinahe verpasste. Der Fernseher war verdammt teuer und hätte er auch Gefühle, was bei dem Preis sicher auch noch mit drin gewesen wäre, müsste er jetzt verdammt sauer sein. So alleine. Ohne Funktion zu Unterhalten. Kann ja auch Maximilian Hecker hören.
(säm)
 

Mercury Rev: All is dream (V2 Records)

Man will ja immer ganz vorne dabei sein. So Indie-Hörer halt. Immer die neuesten Bands parat. Immer den ganz neuen Geheimtip in der Tasche. Debüt-Alben spielen da eine ganz wichtige Rolle. Als erster den neuen Upstarter kennen. Erster alles. Und in vier Jahren, wenn der Debütant sein dritte Album rausbringt und einen kleinen Hit landet schon sagen können: "Ja,ja, früher waren die aber noch viel besser, weil rauher, frischer, was weiss ich noch alles..."
Anders hier: Abteilung Verträumte, Sphärische Indierocker.
Letztes Jahr wären da wohl als erstes Sigur Ros eingefallen. Zweitens vielleicht Goldfrapp. Wurden beide hochgelobt. Zurecht.
Was ist aber, wenn man dieses mal nicht vorne dabei war. Klar, man hat sie schon gesehen. Damals, als sie mal Vorband von Pavement waren. Waren verdammt laut. Vor alle, der Gitarrenverstärker von Jonathan Donahue. Auf den Boden hatte man sich gesetzt, um die Ohren zu schützen und den Krach weiter ziehen lassen. Ausser bei "Carwash Hair". Das war eben schon bekannt. Hatte mal ein wunderbares Mädchen auf eine Kassette für mich getan. Aber dann: Wieder vergessen. Die Band.
Heute das neue Album in der Stereoanlage.
Orchester. Glockenhelle Stimme. Orchester wird lauter. Ich fühl meinen Schreibtischstuhl nicht mehr. Stattdessen sitz ich im Kinosessel. Der Monitor meines Computers wird zur Leinwand. Ich will was sehen. Nicht die Benutzeroberfläche. Geht das jetzt nicht anders? Ein Film vom Traum, den Jonathan da in "The Dark is rising" beschreibt. Sowas.
Soundtracks für Experimantalfilme haben die Jungs mal gemacht.
Dumm nur, dass man die bei der neuen Platte nicht dazugeliefert bekommt. Schade darum.
Dafür wabbert es aus meinen Boxen. Ich hab die Augen geschlossen und denke mir die Bilder.
Leise fallen mir gerade Built to Spill in ihrer ruhigen Phase und eben Sigur Ros ein. Damit kann man es wohl ausdrücken, wie "All is dream" funktioniert: Ruhe und Kraft.
Und jetzt will ich endlich die Augen wieder zumachen.
(säm)
 

V.A.: Ladies First - A Collection of Female Hip Hop (Deck 8)

Hip Hop und Frauen, denk ich mir und mir fällt, oh mein Gott, ein, wie mich damals ein Freund mit zum Rödelheim Hartreim Projekt-Konzert genommen hat, um mich von Schwester S zu begeistern. Ich kannte die damals nicht und verpasste sie auch wegen ewiger Parkplatzsuche. Zum Glück. Hab die Songs dann auch irgendwann im Musikfernsehen gehört und instinktiv immer weggezappt.
Irgendwann hat sich Schwester S dann in Sabrina Setlur umbenannt und mit einem erfolglosen weil ziellosen Ex-Tennisprofis rumgemacht. Hat sie? Ich bin bei RTL Exclusiv nicht mehr so drin... Okay, jetzt landet also das in meinem CD-Player.
Female Hip Hop.
Warum sind die denn so wütend? Denken sie wirklich, man kann mit so was Geld verdienen und muss nicht mehr vorm H&M in Bomberjacken Gras verchecken? Nee, echt?
Cool. Aber warum singen sie dann nicht schöne Lieder? Über tolle Dinge und so? Ist es wirklich so schlimm am Schulhof? Geht ihr deshalb nicht mehr hin? Macht ihr deshalb keine Hausaufgaben?
Sitzt ihr also im Studio, nein, Keller, mit Joints in der Hand und gebt nur weiter, um wütend Sachen ins Mikophon zu sagen?
Sagt schlimme Sachen über, ja, Kiffen, blöde Freunde und keine Kohle?
Sind ja Probleme, ja, aber gehen die weg, wenn man nur verbal alles umrempelt? Moment, das machte Punk doch auch.
Ja, aber Punk klang wenigstens nach Wut.
Das hier? Klingt nach Hände in die Hosentasche, Kopfnicken und alles scheisse finden?
Genauso wie Punk also.
Nein Stop. Punk war Wut und Veränderung. Das hier ist Langweile und Bau-mal-noch-einen.
Was? Ich mag keinen Hip Hop? Ich hab mir die Platte gar nicht angehört?
Hey, Hip Hop mochte ich schon mal. Als ich noch 15 war und die englischen Texte kaum verstand, deshalb nur Fucks und Shits rausfilterte und grinsen musste. Eminems letzte Platte fand ich gut.
Aber das hier?
Wenig Selbstbewusstsein schlecht versteckt hinter noch schlechteren Raps. Ragga-Refrains, die so schlecht sind, dass sie sogar der singende Zahnarzt Dr.Alban lustiger hinbekommen hätte. Oder ist er das etwa? Nein, dafür hat er zu wenig Street-Credibility und die verspiel ich mir selber gerade auch.
Hab das Album auch mal meiner Freundin gegeben und mir Rat erhofft. Kennt sich nämlich aus mit deutschen Hip Hop und hat auch das erste Konzert einer der Rapperinnen hier gehört. Hat sich die Pladde (Hip Hop-Slang hier endlich untergebracht) gar nicht angehört, die Gute.
Jetzt sitz ich hier. Hör das nochmal. Und nochmal.
Freu mich immer wieder, wenn Big Zis auf schwitzerdütsch rappt. Und mach mir jedes Mal Sorgen um den Tabakkonsum von Minckee, die rauher klingt als einst Hans Hartz.
Schreibe das auf und hab plötzlich Angst, ob die mich vermöbeln, wenn ich sie disse (Hip Hop-Slang II). Werden sie? Derbe, ey.
Ich mag das nicht.
P.S.: Mein Lieblings-Hip Hop Synonym zur Zeit:
ziehen - für kaufen.
Wie in: "Die Hose zieh ich mir!"
(säm)
 

phantom ghost (ladomat)

düster und geheimnisvoll das cover, mit nur zwei augen drauf. das blaue gehört dirk von lowtzow (tocotronic) und das grüne thies mynther (stella, superpunk). so auch die musik. düster und schön. eine musik gewordene liebe zu dario-argento-filmen. elektronisch und trotzdem song. dirk singt auf englisch. das schönste lied der platte, des monats, und überhaupt: "phantoms and ghosts". das klavier.
(mawe)
 

starlight mints: the dream that stuff was made of (seethru/ pias)

großartiges debüt aus flaming-lips-stadt oklahoma city. ein kuddelmuddel aus geräuschen, furchtbar vielen instrumenten, quengeligem frank-black-gesang und weiß auch nicht. eine der besten platten der letzten zeit jedenfalls. violent femmes meet pixies meet beatles.
(mawe)
 

stereolab: sound-dust (elektra)

stereolab sind natürlich unangreifbar und so kann man zu der neuen platte auch gar nichts sagen außer: sie sind halt stereolab. wieder eine wundervolle mischung aus minimalistischen strukturen, kaltem klaren chanson-gesang und analogsynthiekrautrocknroll. hör danach mal eine platte von phil glass an, z.b. koyaanisqatsi, und du brauchst nicht lange nach gemeinsamkeiten suchen.
(mawe)
 

flying bob: ich werde sowieso nie ein star sein (www.mafinmusik.de)

stimmt, flying bob, das wirst du nie, aber du schlägst ja auch kapital aus dem nicht-star-sein: diese platte zumindest. selbstmitleid a gogo. charmant ja, aber es gibt nur einen arne zank. dilettantismus will schließlich gelernt sein. richtig singen können wäre zwischendurch ja mal gar nicht so schlecht, zumindest bei 29 songs...
(mawe)
 

the truffauts: in candyland (fieberkurve records; www.truffaut-records.de)

die nürnberger haben nun auch schon einige jahre auf dem buckel, als band, umso überraschender das neue album. der opener "candyland" weiß mit stilmitteln zu sparen und lebt von wenigen elementen und etwas schiefem gesang, und das nicht schlecht. flott wird weitergerockt mit doris day, bei der geek party oder für das best looking girl in highschool. welches nürnberger gymnasium das wohl war?
(mawe)
 

superstore: missing link (www.superstorenet.de)

band aus meiner heimatstadt, was schon mal mit lokalpatriotenbonus bedacht werden sollte, denn so viele bands hat diese stadt noch nicht hervorgebracht. aber ich werde nicht unbegründet mit lob um mich werfen. zu brachial und glatt ist das für meine ohren. vor ein paar jährchen hab ich wohl so was auch gehört. aber grunge ist leider vorbei, layne staley wurde der fixerarm amputiert, sogar postgrunge a la bush ist durch. lieber mal ein paar gitarrenspuren und effektgeräte weglassen. aber jedenfalls gibts wieder rocker in der stadt!
(mawe)
 

seafood: when do we start fighting... (pias)

unlängst im vorprogramm der sportfreunde stiller zu hören: das zweite full-length-album der londoner seafood und das erste, das in deutschland erhältlich ist. in england auf dem ash-label erschienen, im NME gelobt und auf platz 71 (oder so) in die englischen charts eingestiegen. die drei jungen und die schlagzeugerin, die sowohl nett sind als auch feiern können, machen "amerikanischen sound mit englischen gesang" (marc liebscher). zwischen jimmy eat world, sonic youth und placebo. live allerdings noch besser. haltet ausschau.
(mawe)
 

the bigger lovers: how i learned to stop worrying (munich records)

eine weitere großartige veröffentlichung des holländischen munich-labels, das uns in letzter zeit so schöne sachen wie for stars und the mother hips beschert hat. fast nur hymnen auf dieser platte. die vielstrapazierten beach boys müssen wohl auch hier wieder als vergleich herhalten, aber auch teenage fanclub. mehr muß man eigentlich nicht sagen. außer: holen!
(mawe)
 

hidalgo: calypso dancer (hidalgomusic@gmx.de)

neue EP der band um betty mugler und aendy necker aus nürnberg, die früher mal als die charming prophets bekannt waren. sehr positiv überrascht hat mich das titelstück, das fast triphoppig daherkommt - der gesang erinnert irgendwie an saint etienne oder die cardingans oder sogar björk!- und sehr für verkaterte frühstücke geeignet ist. auch zwei andere stücke gehen in diese melancholische richtung, das vierte ist rockiger, mit christian schulmeyr von pelzig als gastsänger. (wir erinnern uns: betty mugler wiederum sang einst z.b. bei "sensation" von der pelzig-schwester slut mit)
(mawe)
 

cato salsa experience: a good trip for a good time (superrock rec./ indigo)

keine angst - keine salsa-band, sondern eine wahnsinns-rock'n'roll-band aus norwegen. begeisterten mich schon letztes jahr beim klüpfel-open-air zu nürnberg. wild aussehende junge männer droschen auf dreckig verzerrte gitarren ein, schrien und sprangen, während die keyboarderin hauptsächlich mit ihrem theremin herumquietschte. funktioniert auch auf platte, das. vor allem beim autofahren.
(mawe)
 

v.a.: raumschiff monika
&
figurine: the heartfelt (monika)

ersteres: eine labelcompilation zur 20. veröffentlichung des aus dem berliner wohnzimmer-umfeld hervorgegangenen labels monika enterprise (gratulation auch von uns!). wer fast alle monika-veröffentlichungen hat (was bei eigentlich jedem der fall sein sollte, denn sie sind durchweg fantastisch), wird hier nichts neues finden - außer vielleicht die großartige depeche-mode-coverversion von contriva ("the things you said"), die allerdings auf lok musik veröffentlicht wurde. ein paar der ganz frühen sachen sind aber mittlerweile vergriffen und so kann man gut seine sammlung vervollständigen, z.b mit dem grandiosen console-remix von barbara morgensterns "das wort".
figurine dagegen ist neu auf monika und ziemlich elektronisch für die verhältnisse - very eighties, sehr digital, aber nicht instrumental. schöne melodien und gemütliche klangteppiche. die band existiert schon länger, neben diversem anderem zeugs ist dies das zweite album in voller länge. die drei bandmitglieder david, meredith und james figurine haben auch eigene projekte - letzterer war z.b., glaube ich, schon auf der quarks-rehmix-cd vertreten.
(mawe)
 

isolation years: inland traveller (stickman records)

ich habe diese cd in den cd-spieler gelegt und nicht wieder herausgenommen, bevor ich sie zweimal komplett durchgehört hatte, allerdings ohne nebenbei etwas anderes zu tun. und das ist was besonderes. schwedische cowboys schreiben lieder von trauriger schönheit, teilweise mit bläsern, der gesang erinnert etwas an granfalloon bus, die musik ist schöner als bei R.E.M. aus irgendeinem grund macht diese musik verdammt glücklich, und vielleicht ist es gut, dass man nicht sagen kann, warum.
(mawe)
 

cinema favorit (???)

bestrebt, vernünftig rezensieren zu können, warf ich natürlich gleich nach erhalt dieser demo erst mal das info in den müll. schade nur, dass auf der cd selber keine kontaktadresse vermerkt ist. mist. wer diese band kennt, bitte melden. schlecht ist das nämlich nicht. schön verschrobener noiserock. interessant anzuhören. music for busy listening. sehr schön auch das selbstgepinselte papp-inlay. lasst die frau öfter singen!
(mawe)
 

clayton farlow: sunshine loaded head (www.tumbleweedrecords.de)

die helden von der neuen pitti platsch 3000-compilation. entstanden aus mitgliedern von soccer und den popnauts. und diese kleine CD kann uns in der tat über den verlust von soccer hinwegtrösten. fünf pop-perlen und zum schluß ein wunderschönes akustik-solo-lied vom sänger. mehr! ein ganzes album! majorlabels, signt diese jungs!
(mawe)
 

mylk: formfollowsfiction (www.zucker-schallplatten.de)

triphop ist nicht tot. das schaffen uns hier mylk aus mynchen glaubhaft zu machen. gute musik, um im winter in der abenddämmerung durch die gegend zu fahren. etwas ambivalent stehe ich den sehr sophisticateten sprachsamples gegenüber. oder sind das am ende gar keine samples? egal, der atmosphäre dienlich sind sie allemal. angenehmes überraschtsein meinerseits: eine intonierung des wordsworthy-gedichts "the daffodills", das ich einst im englisch-unterricht analysieren musste...
(mawe)
 

north of america: this is dancefloor numerology (rewika)

hc ist auch nicht tot. nördlich von amerika ist kanada, und da kommen die lärmbrüder von north of america her. nicht ohne bezug auf pavement. gut um aggressionen abzubauen. zum beispiel im auto. aber was ist tanzflur-numerologie?
(mawe)
 

les garçons: von uns zu dir (apricot records)

ungewöhnlich, solche musik mit deutschen texten zu hören. welche musik? hm, pop? so gesehen eine art softcore-version von superpunk, auch textlich vergleichsweise mit filter. jedenfalls gar nicht mal so schlecht, wie immer von den jungs geredet wird. nein, wirklich nicht. sogar ziemlich schön stellenweise. leider auch so belanglos, dass ich wohl nicht allzu oft zu der cd greifen werde. wir haben schließlich nicht ewig zeit.
(mawe)
 

oliver balk: herztechnik (www.schinderwies-productions.de)

ein regensburger solo-musiker aus dem äußerst fruchtbaren umfeld des gesamtkunstwerks müller. sympathische semielektronische heimarbeitsmusik mit wechselnden sängern und -innen zwischen... air? beta band? und... keine ahnung. jeder lied hört sich anders an. langweilig jedenfalls wird's nicht.
(mawe)
 

v.a.: output 64 (l'age d'or)

nach der eher zwischen langeweile und nerverei pendelnden compilation "input 64", die im zuge des 8bit-revivals einfach nur die melodien bekannter computerspiele von "damals" wiedergab, was bestenfalls zum einen oder anderen von nostalgischen schauern begleiteten aha-effekt führte, zu mehr aber auch nicht, kommt nun der zweite streich: das (na ratet) remixalbum. interessanter allemal. doch eher zum tanzen geeignet als zum durchhören im trauten heim. einige schöne momente, u.a. von steve claydon of add n to (x), gebr. teichmann, op:l bastards und mina.
(mawe)
 

v.a.: liebe & herzschmerz (lieblingslied records)

und wieder ein sampler aus berlin, der mit evelins schönen bildern geschmückt ist. lieblingslied ist labelkonzept: veröffentlicht werden nur konzept-compilations mit nur lieblingsliedern. denen von labelmacher george lindt, aber auch von leuten, die selbigem ihre lieblingslieder verraten. so entstehen echte mixtapes, die sich von der schwemme an anderen compilations dadurch unterscheiden, dass auch schon mal ganz alte, abgedroschene lieder drauf sind - und natürlich dadurch, dass viel herzblut dahintersteckt. wie bei mixtapes eben. so geben sich ironie und ernst, große und kleine bands, altes und neues die klinke in die hand. die konfrontation macht es erst interessant: wenn z.b. die einstürzenden neubauten auf katja ebstein folgen oder rosenstolz auf knarf rellöm. ein echtes highlight auch der singende boxer bubi scholz mit "susi, du bist einfach prima". außerdem dabei: tocotronic, bum khun cha youth, münchner freiheit (!), rio reiser... ach ja: zwei cds. eine mit liebesliedern und die andere mit herzschmerz-songs. logisch.
(mawe)
 

v.a.: do you think that i'll be different when you're through? (hausmusik)

liebe firma hausmusik, danke für die 10 jahre eures bestehens. was ihr in dieser zeit für meine persönlichen hörgewohnheiten und überhaupt für das ganze wesen "underground" getan habt, ist nicht in worte zu fassen. aber ihr lasst euch natürlich nicht dran stören. ihr tut den teufel und bringt eine simple retrospektive mit den größten hits aus 10 jahren label- und vertriebsgeschichte raus, nein, ihr macht mal eben eine dreifach-vinyl samt großformatigem beibuch in edler pappschachtel mit 31 neuen, bzw. unveröffentlichten liedern. die sich natürlich alle, wie man es bei euch gewohnt ist, mehr als nur hören lassen können. z.b.: micha acher, pelzig, queen of japan, console, b. fleischmann, lali puna, fred is dead, calexico, blond, tied & tickled trio und und und. als billigere version auch als doppel-cd. danke hausmusik und bitte nicht aufhören. nie.
(mawe)
 

bubble bunny music. label compilation (www.schneetreiben.de)

Da ist der Haken mit dem Plasticfantasticköder. Und ich sage gerne "Ja" und lasse mich fangen! Während Retro als heisses Thema dieses Sommers schon wieder verkocht ist, erwischt mich die sympathisch andere Zusammenstellung elektronischen Glücks im richtigen Moment. "Bubble Bunny Music" hat mein Herz erobert. Ohne zu Fragen und im Sturm! Für Freunde elektronischer Mikrofischer und Alleinunterhalter gibt es kein Vorbeikommen an dieser Sammlung unverschämt charmanter Popperlen. 18 Künstler/ Bands/ Projekte, national und international, konnten für das süsse Wunderwerk gewonnen werden. Ein ungewöhnliches Szenarium akustischer Feinfühligkeit, deutscher Hinterzimmerelektronika, stillem Wahnsinn und 8 bit Käsefüssen. So indie, dass auch nicht eine Band bekannt erscheint, so underground, dass auch geübte Daddelspezialisten zweimal hinhören müssen. Wer also glaubt, er hätte schon alles gesehen, erlebt und gehört, was sich mit dem Prädikat Heimelektronik bzw. -akustik im weitesten Sinne schmücken darf, wird hier noch einiges entdecken. Das gute daran: Das ist alles nur der Anfang. Der Siegeszug von Schneetreiben und seinen lieblichen Labelmates hat gerade erst begonnen. Ich lehne mich zurück - und drücke auf Repeat. Unbeschreiblich schön! (ju*)
(ju*)
 

mind kiosk. mmmm (www.mindkiosk.de)

Wie bespricht man eine Platte? Man schmeißt das Info weg. Dann hört man sich die Platte an und dann geht man ins Internetz um wenigstens eine Schote über die Band herausbekommen um einen Aufhänger für die Besprechung zu bekommen damit die Kritik noch ein wenig lesbar ist. Und warum das Ganze? Weil ein Grosskonzern doch noch 10 Minuten vor Druckbeginn noch die Rückseite des Heftes gebucht hat. So machen es Profis!
So macht man es wenn man begeistert ist:
Wie finden sie Superlative in Rezensionen? Genau! Mind Kiosk befördern sich mit "mmmm-..." sofort unter die besten "hierzulande Bands" ...Beat und Pop, England, Smiths und Byrds. Sie machen das so unverkrampft stilvoll und musikalisch kompetent dass es unretroer als Daft Punk ist. Es ist Musik, die bewegen wird, dass es endlich anderen Musikern mal wieder peinlich wird, dass sie es auch wagen Musik zu machen...
Ich rauche schon die dritte Zigarette, obwohl das in meinem Büro gar nicht erlaubt ist und bin noch auf der ersten Seite.
Ich bin ergriffen. "there´s so much space between heaven and hell". Genau das! Und irgendwo dazwischen wir und irgendwo Mind Kiosk und wir alle zusammen. Und andere Leute schreiben Lieder mit dem Text "rollin rollin rollin" Meine Fresse. Ich werde morgen zum erstenmal auflegen. Ist egal, kommen eh nur Kollegen.
Werde mir einen einschenken und habe mir überlegt dass "Thees Durst" ein ganz guter DJ Name ist. Ich werde Mind Kiosk auflegen und warten auf die Leute zu mir kommen und fragen, was das für eine Band ist und ich werde schwärmen. Und nach dem Lied werde ich eine absichtliche Pause von 18 Sekunden einlegen. Danach dann "he was a friend of mine" wahrscheinlich.
Die sollten mal eine Platte zum NME schicken und dann können die schon mal ihre Jobs hier kündigen. Es ist schön zu merken, dass man einer der ersten 100 ist, die mit dem heissesten Ding seit... ich sag es jetzt nicht... zu tun haben. An der Gitarre übrigens Thorsten Marr... in echt jetzt... es ist der Wahnsinn! Oh... letztes Lied "handle without care"... unglaublich!
(Thees Uhlmann)
 

the anubian lights: naz bar (crippled dick hot wax!)

oh mist, ich habe das info verschmissen. ausgerechnet hier. so könnte ich jetzt mit begriffen um mich werfen, die sich profi-info-schreiber extra für solche fälle überlegt haben. spex und intro schweigen sich auch auch aus. muß ich wohl selber ran. also, das nunmehr berliner label crippled dick, bekannt durch trashige italo-filmsoundtracks aus den 70ern, hält auch hier wort. nach latin hört sich das an, aber jetzt nicht kopfschüttelnd wegrennen, nein, nicht dieses ausgelutschte zeug, auf das die prols in ihren doofen clubs tanzen. auch nach karibik und orient, und dazu kommen computerstimmen und samples und geblubber, insgesamt eher hypnotisierend als für ausdruckstanz bestimmt. mehr für die opiumhöhle. diese "trio de janeiro"-platte des herrn atom heart kommt mir da in den sinn, ich weiß gerade nicht, wie er sich da wieder genannt hat. und wenn ich mich richtig an das info erinnere, dann kommen diese menschen tatsächlich aus exotischen ländern, was sympathisch macht.
(mawe)
 

virginia jetzt! pophymnen 10" (www.virginia-jetzt.de)
&
delbo: holt boerge! (www.delbomat.de)


zwei bands der etwas aufgesetzt ins leben gerufenen "berliner schule" hier, die auf dem fast gleichnamigen sampler "berlin macht schule" mithelfen sollen, die neue hauptstadt auch zu derjenigen der popmusik zu machen, statt bisher hamburg.
aber ignorieren wir das nischengewäsch und reden wir über musik. virginia jetzt!, nicht ohne beteiligung der kollegen des KNAARTZ-fanzines, wollen pophymnen schreiben. das gelingt ihnen ziemlich gut, angefangen vom sharon stoned-cover "down" über ihren unbestreitbaren hit "draußen im regen" (wobei, klar, ein lied mit solch einem titel schon mal einen bonus einfährt) bis hin zu zwei schönen, kitschigen, nicht zuletzt durch die angenehme gesangsstimme einnehmenden lieder, eins sogar mit hübschem schrammelklavier. einzig ausgerechnet das stück "pophymnen" vermag nicht so recht zu überzeugen, klingt es mir doch zu sehr nach den "samba"-liedern, dich ich immer weiterskippe.
delbo sind da anstrengender. sie spielen noisepop, verraten sie im info. definiere: noisepop ist, wenn man schöne ruhige gitarrenpassagen dann und wann durch laute disharmonien unterbricht/zerstört, damit einem die ohren wehtun und man sich freut, wenn die ruhigen passagen wiederkehren. "popcore" fällt mir da ein. irgendwie zu anstrengend, wenn ich seichte u-musik hören will, und zu belanglos, wenn meine ohren die herausforderung suchen. aber halt, dieses lied über den "tiefseefüsch" ist schön. und oh, dieses instrumentalstück, das an notwist oder couch erinnert. stop, doch kein instrumental. schade.
(mawe)
 

rockformation diskokugel: la bola privada (CD: blickpunkt pop, LP: apricot)

Was für ein Name? Rockformation. Diskokugel. Zu gut. Was erwartet man, wenn man diese Platte im Laden vor sich sieht? DDR-Revival? Nein, nicht im Rhein-Main-Gebiet. 80ies Disko? Nicht, wenn der Opener "Ich hasse die Disko" heisst. Aber hassen tun sie nicht wirklich.
Rockformation Diskokugel sind vier adrett gekleidete junge Männer, die Gitarren sich umhängen und sich hinter Schlagzeug und Orgel setzen, um zum Tanz zu fordern. Die Musik. Ja, File under: Synthesizer. Under: Giorgo Moroder. Under: Ja doch, 80er Jahre Verarbeitung.
Man singt von Traum, Statist bei Stefan Derrick zu sein, vom Mörder Samba und vom Tagebuch lesen und Fehler anstreichen. Von den kleinen und aber wichtigen Dingen im Leben. Eben.
Die Welt verbessern wollen die Diskokugeln vielleicht nicht. Aber sie für eine kleine Zeit verschönern. Mit Unterhaltung und Tanzmusik.
Dafür schüttelt man funkige Soulgrooves aus dem Ärmel. Ein wenig Kitsch hier , ein bisschen Zitat aus der Musikgeschichte dort. Die Rockformation spielt ungeniert Gitarrensoli, lädt auch mal Trompeter ins Studio ein und Sänger Markus Schmerfeld singt seine Alltagspoesie, die dann doch Protestlied sein will.
"La bola Vida" will vielleicht daheim im Ohrensessel nicht richtig zünden, fördert dafür aber das Gruppenverhalten. Die Platte will dort gespielt werden, wo Leben tobt und Lenden geschwungen werden.
Liveauftritte pendeln zwischen Tanztee und Headbang-Orgie hin und her, man vereint ein wenig jung und alt. Und so tanzt Stefan Derrick mit Monika Lewinsky den Mörder Samba und es bleibt, siehe erstes Mini-Album, "für Softdrinks keine Zeit"...
(säm)
 

contriva: 8 eyes '96-'99 (monika)

wau, eine doppel-CD von contriva! klingt schwer nach anthologie. CD eins beinhaltet mit 16 stücken in der tat einen querschnitt durch contrivas frühe veröffentlichungen auf vinyl, da hießen sie teilweise noch "zimt" und waren noch sehr nervös, unstrukturiert und postrockig. doch auch für den glücklichen, der eh schon alle alten singles und ten-inches von contriva hat, lohnt sich 8 eyes, denn auf CD zwei finden sich - wer errät es als erster - remixe. acht songs wurden u.a. von iso68, isan, chris flor (komeit) und jörg burger (modernist) als tracks zweitverwurschtet.
contriva sind so gut, daß man sich sowieso alles von den vier netten buben und mädchen aus berlin zulegen sollte. für den contriva-anfänger sei noch gesagt, daß es sich hierbei um melancholische größtenteils-instrumentalmusik nicht ohne aufforderung zum tanz handelt.
(mawe)
 

die moulinettes: alfa bravo charlie (9:PM records/ indigo)

geht runter wie bowle, die neue von den drei mädels und dem einen jungen. angenehm belangloser easy-listening-pop, superstylish und sich selbst genügend, ohne lästige ansprüche. wie bei dem debüt "20 blumen" wird wieder tief in die sixties-trick(film?)kiste gegriffen, mit bossanova, morricone-coverversion und allem drum und dran, mit deutschem, englischem und italienischem gesang und mit extrem schickem outfit dazu. 8 cremige songs, die creme der creme für mich das deliriöse partyszenario "immer nie am meer" und der nur vordergründig von fußball handelnde "letzte spieltag".
danach die gleichen 8 songs nochmal, nämlich als remixe. alles dabei, was den potentiellen käufer ohne zaudern zur tat schreiten läßt: high llamas, stereo total, maxwell implosion und erobique. das wird eine schöne party...
(mawe)
 

goldoni
&
tokyo: airship, no pilot (www.goointernational.de)


veröffentlichung nummer eins und zwei eines neuen labels aus dresden kommen da ins haus, beide im schicken digipak. zweimal gitarrebassschlagzeuggesang. zu goldoni (gut, der pseudoitalointellektuellenname ist etwas unglücklich gewählt) glaubt das info zu wissen: "...bewegen sich in den surrealen zwischenräumen von disco und rock." gott weiß, was damit gemeint ist. ich höre sauber dargebotenen pop, mit clean gespielter gitarre, etwas verschlafenem und wohl deshalb an notwist erinnernden gesang, leicht jazzigem schlagzeug, und bass, der bei den instrumentalstücken ganz im stile der großen postrocker die melodie übernimmt. ganz nett zum nebenbei hören, das.
tokyo geben sich noch reduzierter, der verzerrer wird ab und an zugeschaltet und es gibt schöne leise-laut-wechsel und disharmonien, die dann wohltuend aufgelöst werden. aber was soll denn bitte der gesang? instrumental wäre das doch so angenehm gewesen. disharmonische musik mit (teilweise ungewollt) disharmonischem gesang hört sich nicht wirklich gut an, besonders wenn dieser auch noch so dünn klingt. mir ist dabei nicht entgangen, daß der sänger der labelchef von goo ist, aber er spielt ja auch noch gitarre, also kann er ja ruhig noch bei der band bleiben. die musik von tokyo mit dem sänger von goldoni (und dem namen von tokyo!) - das wärs.
(mawe)
 

fink (l'age d'or)

Erwachsen, denke ich. Und ruhig. Gefasst. Es ist Samstag Abend und Fink laufen im CD-Spieler. Das Abendessen brutzelt in der Pfanne und es klingt fast schon wie warmes offenes Feuer. Ich werde seltsam still und schalte den Fernseher mal nicht zu an, um Bundesliga-Ergebnisse. Das ist ein anderer Rhythmus. Gerade singen Männer noch vom Weinen und dort spielen andere mit dem Ball. Ich bleib bei Fink.
Inzwischen brennen Kerzen auf meinem und die Lieder handeln von Lieben, Sehnsüchten und Fernweh.
Nils Koppruch singt von Aufbruch und Driften, während die Band amerikanische Folk-Roots bereisen. Die dicke Bass-Drum ganz gezielt geschlagen. Blues-Harmonien auf der Gitarre gezupft.
Das dritte Fink-Album zeigt, wie erwachsen die Hamburger geworden sind. Man schämt sich keiner Gefühle und zeigt sich selbstbewusst. Keine Rockgitarren. Kein Schrei ins Mikro. Dafür Vibraphon und Trompete. Harmonium und Geige.
Country von Nordlichtern, denk ich, tief versunken, als ich schrill vom Telefon aus der Stille gerufen werde. "Du klingst so traurig", fragt es aus der Leitung. Nein, ich bin nur so ergriffen. Eine Träne läuft mir die Backe hinunter.
(säm)
 

atomic: big issue (www.atomic-band.de)

Liam Gallager ist laut einer britischen Umfrage, der drittmeisst gehasste Mensch der Welt. Ist das cool? Ja. Aber seine Band Oasis ist inzwischen über den Karriere-Zenith hinaus und sollte sich jetzt schleunigst auflösen, um unsterblich zu werden.
Und in solcher Zeit kommen fünf Oberpfälzer Freitag Abend nach München in die Disco und beschliessen, berauscht vom Britpop sich nach dem Laden zu benennen: Atomic waren geboren.
Mit der schweren Aufgabe als Deutsche Britpop zu machen als Weg zum Ziel. Und "The Big Issue" löst sie. Nicht peinlich, wie andere Bands zuvor, sondern gleich mit einem dahin gerotzten Opener "My rising Sign". Als wären Oasis nicht stinkreich und und gelangweilt, sondern immer noch die wilde Proberaum-Band, die sie wahrscheinlich vor ihrem ersten Album waren. "Black Angel" kommt als Hymne daher und man wünscht sich Live-Auftritte. Verschwitzt und Mitgröhlen. Schneller, lauter. So wie Lied Nummer drei "Going away". Man errät an dieser Stelle, was als nächstes kommt: Genau. Die obligatorische Ballade. Nächster grosser Schritt zum Ziel. Gut, der Refrain kommt noch nicht ans grosse Vorbild ran. Weiter gehts. "Go bring the Queen". Monarchie in der Oberpfalz. Wieder eine Hymne. Und so weiter und so gut. Atomic sind nicht peinlich. Haben England verstanden. Und eine CD gemacht, wie man sie jetzt doch gern mal wieder von der Insel bekommen würde. Haben sie eigentlich schon ein Exemplar zum NME geschickt? Würden die Atomic zum next big Thing ernennen? Würde Charles sie zu Rittern schlagen?
Nach sechs Liedern gröhlt man mit. "See me free me" fällt dann ab. Als einziger Song, den man vom letzten Demo hinüber rettete. War vielleicht nicht so geschickt, zeigt aber, dass Atomic sich entwickeln.
In meiner Bierzeltlaune greife ich seit ich "The Big Issue" habe, öfter zu Atomic als zu "Standing on the Shoulder of Giants". Was wollen die Jungs mehr...
(säm)
 

zehn meter feldweg: die welt geht schlafen/ auf dem weg (www.feldwegrock.de)

hm. eigentlich wollte ich diese viereinhalb-track-cd verreißen, aber jetzt läuft lied nr. 3 ("für immer bei dir") auf repeat. von vorne: junge menschen aus hamburg, die deutschsprachigen rock machen. sehr verdächtig. die ersten beiden lieder bestätigen mich: schlecht produzierter lado-fan-rock mit zu vielen zitaten. das erste lied heißt "echt" und ist tatsächlich gespickt mit zitaten dieser fragwürdigen kapelle. der ausdruck "warmes bier" sollte meiner meinung nach auch in keinem liedtext mehr vorkommen. aber! dann! "für immer bei dir" trifft mein herz in die mitte. "sprich mich bitte nicht darauf an wo ich herkomm, ich bin im moment so glücklich, und ich bin hier nicht allein." auch supersympathisch: mal ein lacher mitten im text. bitte so weitermachen! aufnahmen à la dachgeschoß records sollten eh lieber auf verzerrte gitarren verzichten, weil sichs doch meistens grausig anhört. nehmt euch das bei eurem album zu herzen!
leider haben sie nicht auf mich gehört. "für immer bei dir" steht auch auf dem album "auf dem weg" alleine da. zu viel overdrive. zu oft alles schon gehört. schade eigentlich. um das charmante artwork mit bildchen und eckig ausgeschnittenen computerdruck-aufklebern. die jungs scheinen es gut zu meinen.
(mawe)
 

north of america: the sepultura (rewika)

"who's gonna rock on?" fragte einst tobacco ebenfalls auf rewika, und die labelchefs haben darüber nachgedacht und mal wieder was von ihren kanadiern rausgebracht. eine 6-track-ep. grundkurs amerikanische geschichte (built to spill und shellac) magna cum laude absolviert. mir aber dann doch zu lärmig. musik mit geschrei statt gesang kann ich normalerweise nicht anhören. aber ich mag ja auch shellac nicht, also wißt ihr ja, was ihr von dieser kritik halten könnt :)
(mawe)
 

sergej auto: achtung auto (saas fee)

die retrotrashwelle rollt weiter, überschwemmt den keller und rockt das haus. hightech-prozessoren zu pflugscharen, nicht ganz, aber zumindest zu ataris oder so. saas fee, das sympatische kleine label aus der unsympatischen großen stadt (offenbach), das plötzlich mit der veröffentlichung von "milch - socialpark" aufgetaucht ist, stikes again. wo sie nur immer diese leute auftreiben... diesmal ist es ein tschechischer trickfilmmusiker. tanzbar aber, nicht ganz so trashig wie anderes, schon dagewesenes, ein lied erinnert mich sogar an eins von schneider TM, von seiner ersten platte. warum sind tschechische sachen immer so charmant? drei nüsse für aschenbrödel, die besucher, der fliegende ferdinand, der kleine maulwurf grabowski... da muß was dran sein. und songtitel wie "auto68 rock", "potpk kosmonaut", "heij! lòlek" oder "planet muzak-tempo" kann ich zwar nicht hundertprozentig übersetzen, heißen aber bestimmt was ganz drolliges.
(mawe)
 

hidalgo (hidalgomusic@gmx.de)

hidalgo sind betty und andy. betty und andy waren früher die charming prophets. sehr lange waren sie das, haben auf sticksister records ein, zwei sachen rausgebracht, vielleicht auch drei, vier.
hidalgo sind leiser als die charming prophets. leiser und ruhiger. man könnte sagen: erwachsener, reifer, erfahrener, tut es aber natürlich nicht, es sei denn, man wolle sich lächerlich machen.
hidalgo sind pop, und pop ist schön. pop tut nicht weh, macht nur etwas traurig manchmal. traurigkeit, die leicht, locker und unaufdringlich ist. ich denke: cardigans und sage: saint etienne. sogar eine coverversion von sting (can't stand losing you), einem von mir eher weniger geschätzten zeitgenossen, kann da spaß machen.
(mawe)
 

the fall: the unutterable (eagle records)

wie lange habe ich mich um diese besprechung gedrückt. obwohl ich die platte klasse finde, wahnsinn. aber es ist die erste, die ich von the fall gehört habe. ach schnauze, neufan, elender, schreien schon die ersten alle-texte-und ehemaligen-bandmitglieder-auswendig-kenner. wobei das zweite wohl weitaus schwieriger ist. the fall ist ja eigentlich in erster linie mark e. smith, der immer neue gesichter um sich versammelt hat. eine institution, die seit zig jahren zig alben herausgebracht hat, es dürften so an die 30 sein mittlerweile. die hier übliche kritik dürfte also so aufgebaut sein, den unterschied des neuen albums zu den bisherigen festzustellen und eventuell einen platz in der rangliste der besten fall-platten zu bestimmen. geht nicht. ich kann also höchstens versuchen, die musik irgendwie zu beschreiben, und dazu fallen mir zuerst wörter ein wie düster, lou reed, lärmig, sophisticated, gitarrig, finster, sprechgesang, aggressiv. naja, verleitet nicht gerade zum sofortigen in-den-nächsten-plattenladen-stürmen, oder? ich kanns nicht besser. ich kann nur sagen: das ist eine der besten platten in der letzten zeit. die sperenzchen sein lassen und den gain-regler auf anschlag drehen. hier wird g.e.r.o.c.k.t.
(mawe)
 

kante: zweilicht (kitty yo)

Kante sind Andreas Vogt, Sebastian Vogel und Peter Thiessen. Letzterer ist hauptberuflich Bassist bei der Hamburger Band Blumfeld. Die wiederum veröffentlichten im letzten Jahr eine äusserst mutige Platte namens "Old Nobody". Darin bezog man sich auf die Werte Schlager, grosse Gefühle und ...die Achziger Jahre Popper Münchner Freiheit. Dass man diese Band verehrte, vergass der Sänger Jochen Distelmeyer in keinem Interview zu erwähnen. Was Peter Thiessen dabei dachte, kam nicht ans Licht. Aber er schien es zu mögen, schliesslich singt er beim neuen Werk von Kante auch mit und von grossen Gefühlen.
Das letzte Werk "Zwischen den Orten" liegt drei Jahre zurück und war eine deutsche Antwort auf den Post-Rock-Boom Amerikas. Lange, in sich verzweigte Stücke. Fast immer Instrumental. Nur "Paradizer" und "Zwischen den Orten" verfeinerte Thiessen mit seiner Stimme und machte daraus die wohl schönsten Stücke der Platte.
Bei "Zweilicht" anders. Nur eins der sieben Lieder kommt ohne Gesang aus: "Both Worlds", eine knapp zehnminütige elektronische Interpretation von Klassik komplett mit Flügel und Soloklarinette.
Alles ist sich eins und doch nicht. Viele verschiedene Stile wurden aufgegriffen, verstanden und verarbeitet. Opener "Im ersten Licht" schwebt als ruhiges Poplied in Blumfeld Dimensionen. Die Single "Die Summe der einzelnen Teile" erklärt den Bandgeist. Die unterschiedlichen Charaktere, die gemeinsam eins schaffen: Musik machen.
Höhepunkt von "Zweilicht" ist aber wohl "Itouri", eine Ballade. Oder ein Orchesterstück? Peter Thiessen singt von Beziehungen, vom Leben. Alltagsverarbeitung.
Kante schafften es mit "Zweilicht" vielleicht die perfekte Pop-Platte aufzunehmen. Ruhig. Gelassen. Ist es überhaupt noch Pop? Oder prägt man hier den Begriff der E-Popmusik?
(Säm)
 

subterfuge: i do birds (blickpunkt pop)

das (zumindest von mir) langerwartete dritte album der düsseldorfer schnuffis erscheint im januar auf neuem label. wie von den jungs gewohnt kommt es im guten style daher, sowohl optisch (klapp, klapp, ah, da ist die CD ja) als auch musikalisch. wie die früheren platten lebt es vom zweistimmigen gesang, am anfang habe ich zwar gassenhauer wie "river of no return" von der letzten platte "marc" (nein, keine hommage an ihren jetzigen labelchef) etwas vermißt, aber bald rausgefunden, daß es solcher gar nicht bedarf. "i do birds" ist eine wunderschöne pop-platte, sanft und langsam, aber gleichzeitig ungeheuer solide und ausgetüftelt bis ins kleinste detail. der opener "stay cool" erinnert sehr teenagefanclubesque noch an die älteren sachen, das titelstück kommt locker groovend daher und bei "silly girl" kommen discostreicher zum einsatz (miles machen winkewinke). der rest findet irgendwie zwischen boo radleys-easypeasyness und - habe ich das schon erwähnt - teenage fanclub statt.
(mawe)
 

ivar: debut (saas fee)

wenn du ivar hörst, dann ist das so, als würdest du jean michel jarre, fünf freunde, la boum, captain future und alan parson gleichzeitig hören, so das info. das große, uns alle einnehmende nostalgiemonster also, der zwitter aus 70ern und 80ern, in dem alle vermeintlich guten erinnerungen vereint sind. kann man ja gar nichts dagegen sagen. noch dazu, wenn alles so charmant ist. das ganze album wurde nur auf einem gerät eingespielt: einem kleinen casio-keyboard aus einem jugendzimmer in den 80er jahren. doch halt, jetzt nicht die arne-zank-trash-schublade öffnen - hier traut sich mal wieder einer, schöne kitschige melodien zu machen. wie jean-michel jarre damals eben. einundzwanzig kurze und lange stücke mit titeln wie "autoscooter", "zeltlager", "liebe, sex und zärtlichkeit" und "hausbar". melancholie ist da.
(mawe)
 

heinz aus wien: pasadena (www.heinzauswien.com)

Ein Gähnen. Die Achtziger jetzt auch in Wien. "Neu" ist das Zauberwort dreijähriger Abstinenz. Das Wiener Quartett Heinz startet nach ausgedehntem Urlaub in Kalifornien einen erneuten Angriff auf Nietengürtelträger mit Vorliebe für deutschen Schrammelpop. Neu sind allerdings nur Plattenvertrag und Klamotten, bei Ideen und Texten bleibt alles beim alten. Anstatt optisch suggerierter catchyness und langerwarteter Reinvention der artverwandten "Wiener schule", präsentieren Heinz aus Wien studierte Langeweile. Wenn auch der Titel "Pasadena" gerne an feiste Swimmingpools im Nachmittagsschatten erinnert und Cocktails mehr als nötig, nageln Titel wie "Na Super", "Hobbies" und "mein Nachbar" den Hörer gerne auf den Boden der Tatsachen - und der besteht bekanntlich zu 11/12 nicht aus Urlaub. Was bleibt ist ein Soundtrack zum Einkaufen bei Real und ein wenig schmerzende Realität: Netter Gitarrenpop mit belanglosen Texten. "Lieb im Prinzip" - aber zu wenig für einen herausragenden Song. Vermisst ? Alles schon gehört? Vielen Dank für Ihren Einkauf.
(ju*)
 

die schwedenmøbel: bruder ich liebe dich (www.wuwton.de)

"this is a rock'n'roll record. we don't care about sound a lot." sagen schwedenmøbel im booklet. vielleicht sollten sie sich aber besser mal ein bißchen darum kümmern, wie das zeug klingt, das sie aufnehmen. denn das klingt ziemlich billig, da hilft die große rock'n'roll-attitüde auch nicht. vielleicht ist ihnen das egal, vielleicht wollen sie nicht über den schülerbandstatus hinauskommen, aber warum verschicken sie dann promos? entschuldigung, aber so was braucht eigentlich niemand. die songs, die sich einigermaßen gut anhören, kann man so in etwa auch auf der letzten "unser kleiner dackel"-platte hören, nur hundertmal besser.
"but we DO know that this is a fine record." glaube ist alles. aber ihr, kauft euch lieber eine "unser kleiner dackel"-platte.
(mawe)
 

Thees Uhlmann: Wir könnten Freunde werden. Die Tocotronic-Tourtagebücher (Ventil Verlag)

Ich fahre Zug. Von Hamburch nach Berlin. Ich mag Zugfahren, weil man sich da mit wichtigen Sachen beschäftigen kann und wegen dem schlechten Netz auf der Pampa stört nicht mal das Mobiltelefon. (Meins ist übrigens nicht groß aber gelb, falls das von Interesse ist.) Heute hab ich was ganz tolles vor. Ich les die Tourtagebücher von Tocotronic. Eigentlich wollte ich mir das Buch nicht unbedingt kaufen, weil ich ja meine extreme Tocotronicfanphase mit der blutigen Nase von Stephan in Leipzig (1995 muß das gewesen sein, ich war gerade 17 geworden) beendet habe. Die anderen Leute auf dem Konzert waren mir schon damals einfach zu idiotisch, aaaber - und jetzt kommt der springende Punkt - ich hab in das Buch vorsichtig reingelugt und bin sofort klebengeblieben... aus verschiedenen Gründen. Natürlich.
Zum errrrsten - die Fotos sind lustig (ich guck ja immer zuerst die Bilder an) und sie sind mit animiereden Kommentaren versehen.
Danach - liest man ein sehr einleitendes Vorwort von Arne Zank. Das verführt zum weiterlesen und verdient deshalb einen verkaufspsychologischen Punkt von buchhändlerischer Seite.
Des weiteren - kann man sich den mitreißenden Schilderungen unglaublicher und auch trotzdem sehr nahegehender Ereignisse kaum erwehren.
Deswegen hab ich weitergelesen und weitergelesen, hab mir vom Autofahren, von Hotels, vom Catering und seltsamen Festivals erzählen lassen und irgendwann hab ich gemerkt, daß ich verdammtnochmal mittendrin stecke in dem Buch und dann hab ich´s mir gekauft.
Jetzt hab ich frei und fahre nach Berlin. Ich sitze also im Zug und höre Modest Mouse. Ich gehe grad so richtig ab und plötzlich lobpreist doch dieser Thees gerade da ebendiese Band im Buch. Schluck. Das sitzt. Das paßt. Danke, das tat gut. Kann einem aber bei der Lektüre mit fast jeder namhaften Band passieren. (Bei Zweifeln bei der Musikauswahl einfach vorher den übersichtlichen Index konsultieren...) In diesem Buch bekommt fast jede Heldenband ihren Heroenpunkt ab. Fein, sach ich. (Vor allem wenn man so uuunglaublich versiert ist wie ich und sogar viele, viele Bands davon kennt. Schulterklopf, das viele Plattenhören zahlt sich aus.)
Auf jeden Fall möchte ich das Buch hiermit weiterempfehlen. Ganz offiziell. Schon mal ganz unvoreingenommen. Weil, man wird sehr gut informiert. Vom Alkoholkonsum, von durchaus lästigen Fans, von Heimweh und auch Sex kommt nicht zu kurz. Und Autofahren... darauf bin ich ganz wild, weil ich ja gerade meinen Führerschein errungen habe.
Auf der Rückfahrt von Berlin nach Hamburch mach ich mir ein Bier auf (Beck´s leider - Astra gibt's nicht in der Hauptstadt) und fang das Buch nochmal von vorn an. Freu mich auf die Waterkant. Da kann man nämlich manchmal an bestimmten Plätzen die Hauptakteure dieses Buches bewundern. Wie im Zoo, würde Arne sagen, hab ich im Buch gelernt.
Ich find das alles wunderwunderbar...
(DanielaHaHa)
 

geschmeido: same same (community)

"Schubdubidubdubidub". So etwas zu singen braucht schon einiges an Mut. Dieser Mut unterscheidet Geschmeido von anderen deutschrockenden Bands wie Tocotronic oder Die Sterne. Dieser und andere Unterschiede machen Geschmeido aus. Der erste Anblick der Songtitel wie "Ich an deiner Stelle" oder "Nachts um 2" liess bei mir die Vermutung aufkommen, es handelte sich hier um eine weitere Band, nur gesignt, um dem Tocotronic-Fanblock Hörer abzuzweigen. Aber die Freiburger wollen anders. Nachdem die Platte einige Tage ihr Dasein in der Schublade fristete, kam sie dann doch in den Player und überraschte.
Leicht, fluffig und poetisch quoll es wie Watte aus den Boxen. Beschwingt und mehr als Gitarre-Bass-Schlagzeug. Geschmeido machen schöne Musik und "Das Geld singt unsere Lieder", wie es im ersten Song heisst, kann ich ihnen nicht abnehmen. Zum Glück. Erweitert um Klavier, Harmonika und, ja, Bläser wollen Geschmeido auf ihrem zweiten Album weiter zu anderen Ufern. Nicht Disco, sondern Bar will man beschallen. Warm ums Herz wird es einen, wenn Sänger Phillipe Frowein seine Poesie vorträgt. Dazu spielen seine Mitstreiter zärtlich und beschwingt ihre Instrumente.

"Alle sind zuhause
im gleichen Traum
vor dem Stereo
let´s get on down"

Dahin will man. Nicht hausrocken, sondern wohnzimmerbeschallen. Und Onkel Pop sitzt mit auf der Couch und lächelt.
(säm)
 

tripophon: the sheriffs lady was a polka (www.tripophon.de)

Aus kleinstädtischer Tristesse heraus entstehen ja oft die großartigsten Dinge. So geschehen auch hier, wo sich ein Garage-Rocker aus Hamburg, ein Großstadtcowboy von ebenda, ein Träumer aus Friesland, ein Elektronikbastler aus Thüringen und ein Idealist aus Caracas studierenderweise in Ilmenau wiederfanden und Musik machten. 23 Stücke mit bemerkenswerter Bandbreite: Songs und Instrumentals zwischen Stereolab und Herbie Hancock, Nikki Sudden und Velvet Underground, Exploitation Cinema und minimalistischem Postrock. Sex ist da, Drogen vielleicht, Rock'n'Roll unbedingt. Farfisa, Rhodes, Moog und Atari, ein umgebauter C64 mit Akkordeonklaviatur, eine Pedal Steel Guitar aus Nashville, Marimbaphon und Glockenspiel auch. Ein Amiga singt "and we'll have lots of fun" und andere Songs heißen "Hey Little Schoolgirl" und "Highway of Love". Und die Jungs können spielen, Mädchen! Eine musikalische Knoff-Hoff-Show, bei der alles explodiert. Und ein schickes selbstgebasteltes Pappcover dazu.
(mawe)
 

godspeed you black emperor! levez vos skinny fists comme antennas to heaven! (kranky/constellation)

STORM. cancer towers on the holy road hi-way. STATIC. the buildings they are sleeping now. SLEEP. she dreamt she was a bulldozer she dreamt she was alone in an empty field.

so unbeschreiblich wie die welt ist die musik von GYBE. auf einer doppel-cd mit insgesamt vier 20-minuten-stücken tut sich ein panorama aus schmerz, trauer und schönheit auf. eine komposition ausufernder klangcollagen aus orchestralem bombast und hypnotisierendem rock. geigen und zufällig aufgenommenen gesprächsfetzen. tapeloops und glockenspiel. glenn branca und velvet underground. laut und leise. wann hat man das letzte mal soviel schönheit gehört.

"we dedicate this stanza to quiet refusals, loud refusals and sad refusals. we dedicate it to every prisoner in the world. we dedicate it to empty streets at dawn."
(mawe)
 

eszella garni: gitarrenporno 10" (www.dunix.de)

kann sich jemand an dieses wunderbare lied vom komm küssen #4-sampler erinnern? "theorie vs. praxis" von eszella garni. lärmige gitarren, male/female-vocals und textzeilen wie "in der theorie ist die praxis wunderbar, in der praxis ist die theorie ein wonderbra". es ist einfach popmusik. und wo dort der letzte orgelakkord verstummt ist, machen sie hier weiter, ersetzen den gesang beim ersten stück gleich mal durch orgel und haben mich schon wieder gewonnen. dann fängt pramila chenchanna wieder zu singen an und in meinen gedanken steht ein schulmädchen auf der bühne und stampft trotzig mit dem fuß auf. dann fängt sie an zu lächeln. kauft euch um himmels willen diese platte. entschuldigt mich, ich muß jetzt im zimmer rumspringen.
(mawe)
 

shower: dolphin fire hoop jump 10" (www.dunix.de)

shower sind aus bochum und machen gitarrenpop. ist bochum in ostwestfalen? oder gar in england? die 10" fühlt sich jedenfalls wohl zwischen meinen 10" von buffalo tom und locust fudge. shower spielen instrumentalmusik mit gesang. die songs lassen sich zeit und haben genug präzision, interessante rhythmen und gitarrenmelodie, um auch zwischen den strophen zu wirken, will sagen ohne gesang. daß das wirklich funktioniert, hört man beim letzten der vier stücke, einem - guess - instrumental. worauf will ich eigentlich hinaus? nun, shower werden in zukunft ohne sänger zurechtkommen müssen. der ist nämlich plötzlich erwachsen geworden. man wird hören, zum beispiel beim hausmusik-festival im november. trotzdem schade. wenn leute erwachsen werden.
am schluß noch ein schöner effekt: die platte ist bis in die auslaufrille bespielt und aus irgendeinem grund geht der tonarm nicht automatisch hoch. man hat also einen netten analog-loop und wenn man will hört das lied nie auf.
(mawe)
 

stella: finger on the trigger for the years to come (l'age d'or)

Koexistenz von Rock und Elektronik. Darum ging es bei Stella schon immer und geht es auch im Jahr 2000.
Nach dem 1998 erschienenen Album "Extralife" bedienen Stella aus Hamburg uns diesen Herbst mit Neuigkeiten. Neu? Ja, schon.
Vieles hat sich getan. Man bekam Zuwachs am Bass in Gestalt von Hendrik Weber (der übrigens die gelungenste Frisur seit der Erfindung der 80er Jahre trägt). Wir brauchen Bass. Bass. Hat man hiermit. Ansonsten ging es musikalischnach vorne. Der Rock wurde mehr retro und bodenständiger. Die Elektronik futuristischer. Während man sich bei den Gitarren in den 70ern umgesehen hat, sah man mit den Samplern und Synthies in die Zukunft. Und die heisst auch mal 2Step.
Hier und jetzt. Stella gehen mit "Finger on the Trigger for the Years to come" drei Schritte weiter nach vorne und in die Tiefe. Man wagte Blicke in verschiedenste Richtungen. Jeder in Stella hat noch weitere Projekte verfolgt. Sängerin und Gitarristin Elena Lange hat ihre Band TGV, Mense Reents hat Egoexpress, Hendrik Weber macht Label und Projekt unter dem Namen Tobin und Thies Mynther nimmt, wenn er nicht bei Superpunk spielt, mit Tocotronics Dirk von Lowtzow eine Platte auf. Letztgenannter hilft auch bei dem wohl am schnellsten ins Ohr gehenden Stück der Stella-Platte, "Bad News Entertainment", am Gesang aus. Live verzichtet man auf das Duett und zieht eine Halbplayback-Version vor. Dazu singt Thies während, der Rest stylisch tanzt.
Jeder in Stella dreht sein eigenes Ding. So bewahrt man die Objektivität und Vielschichtigkeit.
In jedem Fall ist "Finger on the Trigger..." reifer als sein Vorgänger. Lieder wie "Opening Night" oder "Fame is a 4-Letter Word" sind Hinhörer. Gerne auch mit Kopfhörer im Ohrensessel. "Bad News Entertainment", "The Jogging Man" oder das Titelstück wollen nicht ruhig sitzen. Viel lieber auf den Tanzflur.
So beweisen Stella eine Bandbreite, die hierzulande kaum jemand vorweisen kann. Und alles passt trotzdem. Kein Ausfall. Alles bleibt gut. Und live abgehen.
(Säm)
 

scholle: wenndiewelt (www.scholle-liebt-euch.de)

"Wenn die Welt kleiner wär, würde ich sie umarmen", singt Lars Poeck. Alles ist gut und das ist schön. Scholles Mikrokosmos lebt von guten Launen. Klar: Gefühle, auch die dunklen, werden gezeigt. Macht sympathisch.
Böse Menschen drücken Hamburgs Scholle sicher wieder in die überfüllte Tocotronic-Schublade (oder ist es inzwischen schon ein ganzer Schrank?). Aber nein. "Nichts von dem ist wahr", singt Lars im nächsten Lied. Darf ich sie mit Heinz aus Wien vergleichen? Vielleicht Ralley? Oder Samba?
Mawe hat mit dem Blick auf das Band-Foto behauptet, bei Scholle erkennt man sofort, wer welches Instrument spielt, nur wenn man sie ansieht. Find ich lustig, denn es stimmt.
"Meine Freundin sagt, warum seid ihr immer so betroffen, wenn man euch so hört, hört man euch nicht gerne zu" singt Lars jetzt. Versteh ich jetzt nicht.
Einziger Makel an "Wenndiewelt": Die Aufnahmequalität. Gut, solche Bands dürfen nicht sauber produziert sein. Aber leicht fällt man in die Schülerband-Ecke. Und das soll nicht sein.
(Säm)
 

barbara morgenstern: fjorden (monika)

"mit musik wandeln auf der rückseite der zeit"
lange hab ich darauf gewartet, und jetzt ist es soweit: barbaras neue platte ist fertig, und sie ist wundervoll! ihre weichen analogklänge wärmen mein zimmer an diesem regnerischen nachmittag, und ein schauer jagt den nächsten über meinen rücken. ihre vermonika, die alte tschechische orgel, hat sie noch, aber auch neue geräte und maschinen, die diese platte noch mitreißender, noch intensiver werden lassen als das debut. geholfen hat wieder robert lippok (to rococo rot) und mitproduziert pole. beats kommen und gehen, instrumentalstücke wechseln sich ab mit liedern, die geschichten erzählen - "wir hoffen doch noch auf das happy end, es kommt bestimmt". es kommt als "der wunsch teil drei", eingehüllt in einen warmen tröstepullover, mit heart-beats und zauberklavier. danke dafür!
(mawe)
 

komeit (monika)

vor längerer zeit verliebte ich mich in eine 10" einer berliner band namens komeit (sprich: ko-me-it). später fand ich mich bei einem contriva-konzert wieder und lauschte der vorgruppe. eine junge frau und ein junger mann saßen auf der bühne und spielten in zimmerlautstärke ihre lieder. beide sangen, mal abwechselnd und mal gleichzeitig. eine akustikgitarre und eine dünn klingende orgel. es waren komeit. und als sie als zugabe "boys don't cry" spielten, war ich sicher, das lied hätte nie anders geklungen, so sehr paßte es zu den beiden.
jetzt ist das erste album draußen, es wurde wieder am computer zusammengesetzt, aber ohne die instrumente zu bearbeiten, alles steht in digitaler klarheit und natürlichkeit nebeneinander, zwischen den akkorden hört man die finger am gitarrengriffbrett entlangrutschen. die platte wird nicht charten, und ich möchte nicht nochmal so einen unsinn von herrn schamoni oder sonstwem hören, der underground sei mit dem auftauchen von harddisk-recording gestorben. aber komeit-songs werden es noch auf viele mixtapes von mir schaffen, und - ich danke christiane rösinger für diesen satz! - mixcassetten sind die charts der herzen.
(mawe)
 

quarks: rehmix (monika)

mit remix-alben ist das ja immer so eine sache. wertvolle modifikation oder ausschlachten von altbewährtem? das schlimmste, was ein remix machen kann, ist aus einem song einen track zu machen. das ist den quarks zum glück (meistens) nicht zugestoßen. die quarksmusik eignet sich auch ganz gut zum remixen, aus den fragmentartigen texten kann man schön ausschnitte herausnehmen und anders zusammensetzen. insgesamt viele gelungene und sogar einige sehr gelungene stücke, u.a. von turner, schneider tm, gonzales, paula, peaches und pole. positiv ist auch, in einem remix mal sachen wegzulassen anstatt dazuzunehmen. so bleibt z.b. bei der gonzales-version von "alles und mehr" nur noch die stimme mit ein paar hintergrundgeräuschen stehen, was sie noch zerbrechlicher, noch verletzlicher macht.
eine nette, angenehme platte mit der einen oder anderen perle ("sonntag" von james figurine!), nur wenn ich mir von den perlen dann die originalversionen anhöre, gefallen mir die fast noch besser. aber ist das nicht sogar gut so, daß die version das original nicht übertrumpfen kann?
(mawe)